St. Gallen (Schweiz)

Projektgebiet:

Die Stadt St. Gallen in der Schweiz verfolgte ein ehrgeiziges Geothermieprojekt, über das per Anwohnerentscheid abgestimmt worden war. Aufgrund mangelnder Fündigkeit musste das Projekt jedoch nach der ersten Bohrung aufgegeben werden.

Um das "Energiekonzept 2050" zur weitgehenden Übernahme von alternativen Energiequellen in der Gemeinde bis 2050 zu verwirklichen, fanden ab 2012 die Bohrarbeiten in St. Gallen statt. Der in circa 4.000 Metern Tiefe anstehende Malm- und Muschelkalk sollte wie in anderen Regionen in Österreich oder Deutschland genutzt werden. In diesen zerklüfteten und verkarsteten Gesteinsschichten zirkuliert hydrothermales Wasser mit Temperaturen von 130 bis 150 Grad Celsius.

Von Mitte 2012 bis Mitte 2013 bohrte die Firma ITAG Tiefbohr GmbH in St. Gallen bis zur Endteufe von 4.378 Metern. In der Umgebung des Bohrplatzes waren zahlreiche seismische Messstationen installiert, welche die Bodenbewegungen rund um die Uhr überwachten. 

Im Juli 2013 kam es zu einem Erdbeben der Magnitude 3,6 auf der Richterskala. Nach etwa zwei Monaten Pause wurden die Arbeiten wieder aufgenommen und das Bohrloch stabilisiert. Im Oktober und November 2013 erfolgte dann der Fördertest, dessen Ergebnisse jedoch nicht zufriedenstellend waren.

Im Mai 2014 folgte der endgültige Beschluss der Gemeinde: Das Geothermie-Projekt der Stadt St. Gallen kann nicht umgesetzt werden. Der Grund dafür ist die Kombination aus unzureichender Wasserfündigkeit, erhöhtem Erdbebenrisiko sowie einer überraschenden Gasführung in den erschlossenen Gesteinsschichten.

Das bestehende Bohrloch soll bis 2029 offen bleiben, um die Chance der geothermischen Nutzung offen zu halten. Bisher werden neue Techniken jedoch aufgrund zu hoher Kosten und Risiken abgelehnt.