Was lange währt, wird endlich gut: 13 Jahre nach der ersten Machbarkeitsstudie ist die Geothermie-Anlage in Garching a. d. Alz im Jahr 2021 in Betrieb gegangen. Nach einer wechselhaften Vorgeschichte führte die Silenos Energy GmbH das Projekt zum erfolgreichen Abschluss. Dient die Anlage aktuell ausschließlich der Stromproduktion, soll die gewonnene Energie ab 2028 ein örtliches Wärmenetz speisen.
Um die Einwohner von Garching bei München nachhaltig mit umweltschonender und kostengünstiger Wärme zu versorgen, setzte die Energie-Wende-Garching GmbH & Co. KG (EWG) auf ein Energiekonzept, das ursprünglich sowohl auf Geothermie als auch auf Biomasse basiert. Das Ziel war es, die gesamte Stadt mit nahezu 100-prozentiger regenerativer Wärme zu versorgen. Die zentrale Stütze ist inzwischen die Geothermie.
Das Geothermieprojekt Gauting umfasst die Planung, die Errichtung und den Betrieb von Tiefenwasserbohrungen, Wärmekraftwerken und Fernwärmenetzteilen in der Umgebung des Flughafens Oberpfaffenhofen im oberbayerischen Landkreis Starnberg. Der Hauptbetriebsplan wurde beim Bergamt Südbayern im Frührjahr 2024 eingereicht und im Herbst 2024 genehmigt. Ein Zeitplan für die Umsetzung ist noch nicht bekannt. Verhandlungen über die Abnahme der Wärme laufen noch.
Das Gemeinsame Kommunalunternehmen für Abfallwirtschaft der oberbayerischen Landkreise Fürstenfeldbruck und Dachau (GfA) hat die Erlaubnis erhalten, an ihrem Standort in Geiselbullach (Stadt Olching) nach Erdwärme zu suchen. Die dafür gegründete GfA-Tochtergesellschaft "Amperland Thermalwärme" ist ein bundesweit einmaliges Projekt, das die Wärmeerzeugung aus Abfallverbrennung mit der Geothermie verbinden will. Die Bohrungarbeiten sollen Anfang 2026 beginnen.
Im oberbayerischen Geretsried (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) wurde im Jahr 2013 die bis dahin tiefste Geothermie-Bohrung Europas abgeteuft. Doch in der Endteufe der Bohrung gab es nahezu kein Tiefengrundwasser. Trotzdem bleibt der Geothermie-Standort im Geretsrieder Ortsteil Gelting hoch interessant: Hier entsteht das weltweit erste Kraftwerk mit der "Eavor-Loop™"-Technologie.
Die Deutsche ErdWärme GmbH & Co. KG entwickelt derzeit das Geothermieprojekt in Graben-Neudorf (Landkreis Karlsruhe). Die erste Bohrung bestätigte 2023 mit über 200 Grad Celsius in 3.600 Metern Tiefe die außergewöhnliche geothermische Qualität des Standorts – ein Rekord für Deutschland. Die finale Nutzung der Geothermieanlage ist aber noch offen und hängt von den weiteren Tests ab.
In der Gemeinde Gräfelfing westlich von München soll eine Geothermieanlage entstehen. Die Planungen sind mittlerweile ausgereift und ein Standort wurde bestimmt.
Die Forschungsplattform Groß Schönebeck des Deutschen GeoForschungsZentrums liegt 50 Kilometer nordöstlich von Berlin am südlichen Rand des Norddeutschen Beckens. Sie dient als Referenzstandort für die Entwicklung geothermischer Technologien für hydrothermale Speichergesteine mit geringer Durchlässigkeit. Zwei Forschungsbohrungen erschließen Horizonte in Tiefen zwischen 3,9 und 4,4 Kilometern bei Temperaturen um 150 Grad Celsius.
In Oberhaching-Laufzorn, einige Kilometer südlich von München gelegen, hat die Gemeinde Grünwald im Jahr 2011 ein Geothermie-Projekt mit zwei Bohrungen realisiert, um Wärme zu gewinnen und Strom zu erzeugen. Eine Besonderheit ist der Wärmeverbund mit dem Nachbarprojekt in Unterhaching, der erstmals eine geothermische Spitzenlastabdeckung und Redundanz ermöglicht. Das zweite Geothermie-Werk der Gemeinde Grünwald befindet sich seit 2024 in der Verwirklichung.
Auf der größten Hamburger Elbinsel Wilhelmsburg entsteht die erste Geothermie-Anlage der Hansestadt. Sie ist ein Bestandteil des Energiewende-Projekts „Integrierte WärmeWende Wilhelmsburg“ (IW3), die dem stark wachsenden Stadtteil zu einer klimafreundlichen, dezentralen Wärmeversorgung verhelfen soll. IW3 gehört zu den „Reallaboren der Energiewende“ aus dem Programm NextGenerationEU, mit dem die Umsetzung von Innovationsvorhaben im Industriemaßstab gefördert wird.