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Die tiefe Geothermie ist auf dem Sprung

Die Nutzung der tiefen Geothermie kommt international in Schwung. Das ist das Fazit der 4. Internationalen Geothermiekonferenz am 24. April 2008, auf der sich über 200 Teilnehmer aus rund einem Dutzend Länder trafen, um über Herausforderungen, Potenziale und Perspektiven der tiefen Geothermie zu diskutieren.
Die Eingangsvorträge verdeutlichten dabei einmal mehr, dass es weltweit ein großes Potenzial für die Nutzung dieser Energieform gibt. Derzeit sind rund um den Globus bereits zirka 8 GWel geothermische Leistung am Netz. Ein stark aufstrebender Markt ist die USA. Während dort zwischen 1990 und 2005 die Entwicklung der Geothermie aufgrund niedriger Energiepreise und den hohen Erdgasvorkommen nur schleppend voran ging, zeigen unter anderem veränderte politische Rahmenbedingungen mittlerweile Wirkung. "Seit 2005 kommt der Markt wieder in Schwung es gibt eine große Anzahl von neu entwickelten Geothermieprojekten", berichtete Karl Gawell, Präsident des amerikanischen Geothermieverbands GEA auf der Konferenz. Nach Informationen der GEA sind in den USA mittlerweile knapp 90 Projekte mit einer Gesamtleistung zwischen 2,5 und 3,5 GW in der Entwicklung.
Auch in Deutschland ist man inzwischen auf gutem Wege, das geothermische Potenzial zu nutzen. Im Wärmebereich spielten hierbei die Fördermöglichkeiten im Rahmen des Marktanreizprogrammes der Bundesregierung eine wichtige Rolle. Stromseitig wird die Novellierung des EEG mit erhöhten Einspeisetarifen für Strom aus tiefer Geothermie einen entscheidenden Einfluss auf die Weiterentwicklung der Branche haben. Doch trotz Förderpaketen und neu abgesteckter politischer Rahmenbedingungen bleiben die technischen Herausforderungen und Unwägbarkeiten von Geothermieprojekten nach wie vor bestehen. Einen "best practice guide", der hier Abhilfe schaffen könnte, gibt es auch aufgrund des bisher begrenzten Erfahrungsschatzes nicht. Um die Risiken konsequent zu minimieren, sind sorgfältige Untersuchungen im Vorfeld der Bohrungen und der Erfahrungstransfer zwischen unterschiedlichen Projekten entscheidend. "Mehr Wissen ist weniger Risiko", betonte Dr. Ernst Huenges vom Geoforschungszentrum Potsdam.
Im Laufe der Konferenz wurde offensichtlich, dass die derzeitigen bergrechtlichen Rahmenbedingungen ausländischen Investoren und Banken einen Zugang zum Markt erschweren und Projektentwicklungen hemmen. "Auch die zum Teil unklare Abgrenzung zwischen Wasser- und Bergrecht ist ein Stolperstein und kann für potenzielle Projekte das Aus bedeuten", sagte Manja Schwien von der Beratungsgesellschaft Rödl & Partner.
Reges Interesse gab es an der Diskussion und am Austausch von Betriebserfahrungen. Torsten Hinrichs, technischer Geschäftsführer der WEMAG AG und Leiter des Geothermiekraftwerks Neustadt-Glewe betonte, dass man sich nach erfolgreicher Inbetriebnahme eines Kraftwerks nicht zurücklehnen könne. Seine Ausführungen zeigten, dass die Herausforderungen zum Beispiel in der Pumpentechnik und dem Chemismus des Wassers liegen. Zudem ist ein grundlegendes Verständnis des Reservoirs unerlässlich, um schwerwiegende Havarien zu vermeiden. Die 14-jährige Betriebszeit des Kraftwerks und die funktionierende Nahwärmeversorgung von über 1.300 Haushalten in Neustadt-Glewe beweist jedoch, dass die Probleme prinzipiell lösbar sind und ein stabiler Betrieb gewährleistet werden kann.
Wie in den vergangenen Jahren lag ein Fokus der Konferenz auch in diesem Jahr auf der Finanzierung von Geothermieprojekten. Hier hat sich die Situation sehr zum Positiven verändert. "Mittlerweile stehen zahlreiche Investoren bereit und signalisieren großes Interesse, in Geothermieprojekte zu investieren", betont Dr. Jochen Schneider von der Agentur Enerchange, die für die Organisation der Konferenz verantwortlich war. "Finanzierung ist möglich", resümierte auch Heribert Sterr-Kölln die Statements der anwesenden Bankenvertreter und Investoren. Wichtiges Entscheidungskriterium der Investoren ist allerdings, welche langfristigen Rahmenbedingungen durch die jetzt anstehende Novellierung des EEG geschaffen werden.
Während die 2006 entbrannte Euphorie für Geothermieprojekte im vergangenen Jahr einer gewissen Ernüchterung gewichen war, blicken Vertreter der Branche nun mit einem realistischem Optimismus in die Zukunft. Alexander Richter von der isländischen Glitnir Bank ermunterte die hiesige Branche weiter ihren Weg zu gehen, denn "in der Erforschung der Niedertemperatur-Geothermie besteht eine große Chance für die deutschen Unternehmen". Ähnlich wie bei der Wind- und Solarenergie könne dadurch auch im Bereich der tiefen Geothermie spezifisches Know-how gewonnen werden, das weltweit zum Einsatz kommen und so einen wichtigen Zukunftsmarkt für die regenerative Grundlastversorgung erschließen kann.

(ag)

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