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Geothermie funktioniert: Zehn Jahre geothermische Wärmeversorgung in Unterschleißheim

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12 | 2013

Es war eine echte Pioniertat, was Unterschleißheim 2003 vollbracht hat: Damals ging die bayerische Stadt mit der ersten geothermische Wärmeversorgung im Landkreis München an den Start und war damit Blaupause für viele weitere Anlagen, die danach folgten. Diesen Sommer feiert die Stadt das zehnjährige Jubiläum und kann trotz Anlaufschwierigkeiten des Projekts für eine insgesamt hervorragende Performance zurückblicken – auch finanziell: 2016 soll laut Wirtschaftsplan der Break-even erreicht und erstmals Gewinn erwirtschaftet werden.

Was 1998 in der dynamisch wachsenden Stadt als eine bloße Idee begonnen hatte, wurde schon bald konkret: Am 3. Juli 2000 gründete man die GTU Geothermie Unterschleißheim AG als hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stadt Unterschleißheim zur Realisierung einer Geothermieanlage. Bereits Ende 2000 lagen die Ergebnisse der Vorplanungen vor, ein Jahr später erfolgte der Spatenstich für die erste Bohrung. Ende 2002 wurde mit dem Bau der Wärmezentrale begonnen und am 28. Juli 2003 erfolgte schließlich die Inbetriebnahme mit der Wärmeversorgung des örtlichen Freizeitbads. Bis heute hat die Stadt gut 22 Millionen Euro in die Geothermie investiert. Dabei ist die GTU gar nicht selbst operativ tätig: Vielmehr hat sie die Anlage an die STEAG New Energies verpachtet, die nicht nur als Betreiber der Anlage sondern auch des Nahwärmenetzes fungiert. Eine Konstruktion, die zumindest in der Anfangsphase nicht nur Gutes hatte.

Überhaupt sah es anfangs nicht gerade nach einem erfolgreichen Projektverlauf aus: Bereits 2004 riss die Förderpumpe ab und die noch junge Gesellschaft musste einen Schaden von rund 1,5 Millionen Euro verkraften. Die zweite Pumpe, die eingebaut wurde, läuft dafür umso zuverlässiger: Im inzwischen neunten Jahr tut die Pumpe des Herstellers Centrilift ihren Dienst und fördert rund 90 Liter ca. 78 Grad Celsius heißen Wassers pro Sekunde. Genug, um aktuell eine Leistung von 28 Megawatt Wärme bereit zu stellen und über ein Netz von 13 Kilometern Länge 220 Wohngebäude, fast alle kommunale Einrichtungen sowie verschiedene andere Gebäude mit umweltfreundlicher Wärme zu versorgen. 2012 wurden insgesamt fast 42 Millionen Megawattstunden Wärme mit einem Geothermieanteil von 81 Prozent geliefert. Die Menge an eingesparten Klimagasen kann sich sehen lassen: "Pro Jahr sind das knapp 9.000 Tonnen Kohlendioxid. Das entspricht der Menge nach rund 120 Tanklastzügen voll mit Heizöl oder 50 Millionen Kilometern eines mit Benzin angetriebenen Mittelklasse-PKW", rechnet Thomas Stockerl, Vorstand der GTU, in einer Broschüre anlässlich des zehnjährigen Jubiläums vor.

Die erfolgreiche Geschichte der Unterschleißheimer Anlage soll nun in die Zukunft fortgeschrieben werden. Auch weil im Reservoir kein signifikanter Temperaturverlust zu verzeichnen ist, plant die GTU eine zweite Förderbohrung, deren Planung bereits läuft. Mit der neuen Bohrung hofft man, langfristig etwa 60 Megawatt Wärmeleistung bereitstellen zu können - also mehr als doppelt so viel wie bislang. Finanziell ist das Unterfangen gut zu stemmen: 2013 soll das Jahresergebnis vor Steuern nur noch -155.000 Euro betragen, 2016 der erste Gewinn in den Büchern stehen. Das spiegelt auch die positive Entwicklung der geothermischen Wärmeversorgung in Unterschleißheim wieder, rechnete man vor wenigen Jahren doch noch damit, den Break-even erst 2028 zu erreichen.

Angesichts des zehnjährigen Jubiläums der Geothermieanlage hat die Stadt also tatsächlich allen Grund zu feiern. Der frühere Bürgermeister von Unterschleißheim, Rolf Zeitler, blickt dabei nicht ohne einen gewissen Stolz auf die Pioniertat seiner Stadt zurück: „Viele Kommunen haben dank unserer Pionierleistung gesehen, dass die Versorgung mit Erdwärme funktioniert. Und sie haben ebenfalls erkannt, welch kostbares Privileg dieses heiße Thermalwasser ist.“

Erfahrungen mit dem langjährigen Betrieb von Wärmeprojekten im Molassebecken werden auf dem erstmals stattfindenden Praxisforum Geothermie.Bayern ausgetauscht, das vom 7. bis 9. Oktober 2013 in München stattfindet. Vorgestellt werden unter anderem Betriebserfahrungen der Anlagen in Unterföhring und Grünwald. Anmeldeschluss ist der 27. September 2013. Spätere Anmeldungen sind möglich, allerdings mit höheren Teilnahmegebühren verbunden. Alle Informationen zum Praxisforum Geothermie.Bayern unter: www.praxisforum-geothermie-bayern.de

(mb)
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