Schaffen KfW & Munich RE Fündigkeitsrisiko ab?

04.03.2024 | Enerchange

Um mit dem hohen finanziellen Fündigkeitsrisiko eine zentrale Stellschraube beim Ausbau der Geothermie zu bedienen, hat das Bundeswirtschaftsministerium von der öffentlich-rechtlichen Förderbank KfW ein Konzept erstellen lassen. Das Papier sieht vor, eine erwartete Wärmeleistung zu versichern. Wird diese mit Abschluss der Bohrung nicht oder nur in Teilen erreicht, kann der volle bzw. ein teilweiser Betrag zurückerstattet werden. An der Versicherung beteiligt sein wird nach Bericht des Handelsblatts auch die Munich RE.

Das Potenzial der Tiefen Geothermie ist längst bekannt. Bis zu 25 Prozent des gesamten deutschen Wärmebedarfs könne durch die Nutzung geothermischer Energie gedeckt werden. Allerdings sind die dafür erforderlichen Tiefbohrungen mit erheblichen Investitionssummen verbunden. Besonders im Falle eines Misserfolgs, wie etwa einer zu geringen Temperatur oder einem unzureichenden Vorkommen an Tiefenwasser, bleiben Wärmeversorger auf den Kosten sitzen. Die Frage der Fündigkeit stellt somit noch immer eine enorme Herausforderung für Wärmeversorger und Kommunen dar. Um dem entgegenzuwirken hat die bundeseigene Förderbank KfW ein Konzept des Schuldenerlasses im Falle einer erfolgslosen Geothermiebohrung oder einer zu geringen Wärmeausbeute erarbeitet. An dem Konzept ist auch die weltweitführende Rückversicherung Munich Re beteiligt.

Zwar existieren bereits KfW-Darlehen mit Tilgungszuschuss für Tiefengeothermie-Projekte, jedoch beinhalten die bisherigen Versicherungslösungen keinerlei Absicherung im Falle einer nicht fündigen Bohrung. Dies soll sich nun ändern. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums arbeite man an mehreren Fördermöglichkeiten und -instrumenten, um das Fündigkeitsrisiko künftig abzufangen. Derzeit stehen verschiedene Lösungsansätze zur Diskussion.

Das Vorhaben der KfW stößt auch in der Ampelkoalition auf Anklang: „Das hilft vor allem auch kleineren Akteuren und Kommunen bei der Erschließung erneuerbarer Erdwärme“, so der SPD-Bundestagsabgeordnete Andreas Mehltretter. Ein Misserfolg könne besonders für kleinere Stadtwerke zum Verhängnis werden. Hingegen könne im Falle der Fündigkeit auf unbefristete Zeit eine CO2-neutrale und klimafreundliche Wärmequelle erschlossen werden.

Neue Absicherung für Bohrerfolg

Der neue Versicherungsansatz ist gleichzeitig Teil einer Erdwärmekampagne des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), welche bis 2030 mindestens 100 weitere Geothermieprojekte anstoßen möchte. Ziel der neuen Versicherungslösung ist es den „Bohrerfolg“ abzusichern. Konkret handelt es sich dabei um eine Absicherung der erwarteten Wärmeleistung. Diese wird vor Bohrbeginn gutachterlich ermittelt und mit Abschluss der Bohrung überprüft. Wird die anfangs errechnete Leistung nicht oder nur zum Teil erreicht, sollen die Bohrkosten vollständig bzw. im entsprechenden Umfang von der Versicherung ausgeglichen werden, heißt es im Handelsblatt.

Besonders die Energiebranche begrüßt die Pläne des Wirtschaftsministeriums. „Geothermische Projekte bedürfen einer verbesserten Absicherung in der Anfangsphase der Investition“, verkünden verschiedene Verbände aus der Energiebranche in einem gemeinsamen Positionspapier.

Auch die bisherigen privatwirtschaftlichen Lösungen zur Risikominimierung, wie die Risikoübernahme durch spezielle Bohrunternehmen, stellen keine endgültige Lösung dar, da diese sich in der Regel ausschließlich auf aussichtsreiche Bohrungen fokussieren. „Das ist Rosinenpickerei“, so ein Brancheninsider. Um das gesamte Potenzial zu erschließen, müsse auch an Standorten gebohrt werden, wo der Bohrerfolg nicht vollständig garantiert sei. Derzeit befinden sich deutschlandweit 42 Geothermieprojekte in Betrieb. Davon sind 24 allein in Bayern angesiedelt, sechs weitere in Nordrhein-Westfalen. Die übrigen sind auf fünf weitere Bundesländer verteilt. Laut Mehltretter sei dies nicht ausreichend: „Wir müssen bei besseren Datengrundlagen und Bohrungen im Rahmen einer Explorationskampagne schneller vorankommen, weil nur mit ausreichend zuverlässigen Daten Bohrungen auch tatsächlich wirtschaftlich versicherbar sind.“

Quelle:

Handelsblatt