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IGC 2009 zeigt starkes Interesse an der tiefen Geothermie aber Zurückhaltung bei der Finanzierung

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04/2009

Die 5. Internationale Geothermiekonferenz (IGC 2009), die vom 27. bis 28. April in Frei-burg stattfand, hat ein breites und weiter wachsendes Interesse an der Nutzung der tie-fen Geothermie offenbart. Obwohl die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen die Finanzierung von geothermischen Projekten bis zur Fündigkeit erschweren, kamen zum Konferenztag am 28. April rund 220 Teilnehmer und damit etwa zehn Prozent mehr als 2008.

Auf große Resonanz stießen neben dem Konferenztag auch die Veranstaltungen am Vortag. Insbesondere der erstmals angebotene und praktisch ausgebuchte Short Course zur Entwick-lung von Geothermieprojekten zeigte, dass es inzwischen ein großes und Branchen übergrei-fendes Interesse gibt, sich intensiver mit der Nutzung tiefengeothermischer Energie auseinan-derzusetzen – und, dass es für viele noch weitgehend unbekanntes Terrain ist. „Die Nachfrage nach kompetenter Beratung, Koordination und umfassendem Projektsteuerung ist groß“, be-richtet zum Beispiel Norbert Hartlieb, Geschäftsführer des Nürnberger Unternehmens enpros consulting. Entsprechend vielfältig war auch die Teilnehmerschaft des Short Course: Neben Vertretern von technischen Dienstleistern, Beratungsunternehmen und Projektentwicklern gehörten auch Repräsentanten von Energieversorgern, Investmentgesellschaften, Banken und Versicherungen zu den Besuchern.

Dass die tiefe Geothermie zunehmend auch für Firmen aus der konventionellen Energiebran-che interessant ist und sich für diese Unternehmen zu einem attraktiven Geschäftsfeld entwi-ckelt, zeigte zum Beispiel das Engagement der Firma Schlumberger. Sie nutzte die IGC 2009, um intensiv über ihre Dienstleistungen im Bereich der Lagerstättencharakterisierung zu in-formieren. Schlumberger gehört mit weltweit etwa 80.000 Mitarbeitern zu den führenden Service-Unternehmen im Bereich der Öl- und Gaswirtschaft.

Die Konferenz offenbarte aber auch die Hemmnisse, die der intensiveren Nutzung der Geo-thermie entgegenstehen: Sowohl Eigenkapital als auch Fremdkapital verhalte sich momentan wie ein „scheues Reh“, wurde beklagt. Insbesondere für die Projektphase bis zur Feststellung der Fündigkeit scheint es momentan so gut wie unmöglich, Darlehen zu bekommen. „Banken suchen in der aktuellen Lage Erneuerbare-Energie-Projekte mit dem geringsten Risiko. Des-halb sind beispielsweise Wind- und Solarprojekte attraktiv“, resümierte Thomas Engelmann vom Finanzdienstleister KGAL. Die vergleichsweise hohen Ausgaben für die Voruntersuchungen und Bohrungen bei Geothermieprojekten müssen so mit eigenem Kapital oder dem Geld von Risikokapitalgebern bestritten werden.

Die Bundesregierung hat diesen Engpass erkannt und zusammen mit der KfW Bankengruppe und der Münchner Rück ein neues, 60 Millionen Euro schweres Kreditprogramm auf die Beine gestellt, dessen Darlehen bei nachgewiesener Nicht-Fündigkeit haftungsfrei gestellt werden. Die Intention und die Eckpunkte des Programms wurden im Rahmen der IGC 2009 von Dr. Ka-rin Freier (BMU) und Peter Hasenbein (KfW Bankengruppe) präsentiert. Als Nadelöhr könnten sich die Hausbanken erweisen, über die der Kredit beantragt werden muss. Sie müssen ver-stärkt geothermische Kompetenz aufbauen, um die KfW-Kredite adäquat vermitteln zu kön-nen.

Ist das geothermische Reservoir aber erst einmal erschlossen und Fündigkeit nachgewiesen, so ist eine klassische Projektfinanzierung mit 70% bis 80% Fremdkapital durchaus möglich. Auch ein Verkauf des Projekts an Investoren ist in diesem Stadium machbar. Christian Jokiel von Hochtief PPP Solutions berichtete in seinem Vortrag, dass die Süddeutsche Geothermie-Projekte Gesellschaft (SGG) bei ihrem Projekt in Dürnhaar genau diesen Weg gehen will und nach erfolgreicher untertägiger Erschließung nun einen Käufer für das Projekt sucht.

Egal, wer die ersten Phasen eines Geothermieprojekts bis zur Fündigkeit finanziert: Die Mini-mierung des Risikos, das eingesetzte Kapital zu verlieren, hat für alle oberste Priorität. In Forum I am Konferenztag wurde deutlich, dass hierfür auch auf die Erfahrungen und Methoden der Öl- und Gasindustrie zurückgegriffen werden sollte und dass zudem der Zugang zu geolo-gischen Daten ein wesentlicher Faktor ist. Aber auch das richtige Management entscheidet über Wohl und Wehe eines Projekts: “Für eine erfolgreiche Realisierung von Geothermiepro-jekten ist die Bündelung der zahlreichen unterschiedlichen Kompetenzen unbedingt notwen-dig“, betont Dr. Karlheinz Rabenschlag von Sterr-Kölln & Partner und plädiert damit für einen zentralen Projektsteuerer. „Nur hierdurch können die bestehenden erheblichen Schnittstel-lenrisiken minimiert werden.“ Ein weiterer, positiver Ansatz für die Risikominimierung bei Geothermieprojekten, so Rabenschlag, sei der Portfolio-Gedanke, der nach seiner Einschät-zung verstärkt im Rahmen der aktuellen Projektentwicklung festzustellen ist.

Neben den Foren zu Finanzierung und Risikominimierung wurden auch Diskussionsforen zur Kraftwerkstechnik und zur Nutzung der Hot-Fractured-Rock-Technologie angeboten. Während im Kraftwerksforum schwerpunktmäßig über die Charakteristika und Einssatzmöglichkeiten von Kalina- und ORC-Anlagen diskutiert wurde, hat Dr. Albert Genter von GEIE im HFR-Forum die umfangreichen Erfahrungen präsentiert, die er und seine Kollegen mit dem Geother-mieprojekt in Soultz-sous-Forêt gesammelt haben. Der wissenschaftliche Koordinator des For-schungsprojekts im Elsass ging dabei zum Beispiel auf die Seismizität ein, die durch die hyd-raulische Stimulation in der Vergangenheit verursacht wurde und erklärte, wie man diesem Problem in Soultz begegnete. Ralph Weidler von der Geothermeon AG machte indes deutlich, dass das HFR-Verfahren schon jetzt eine Technologie mit Zukunft ist. Es seien bloße Vorurtei-le, wenn in Zusammenhang mit HFR-Projekten zum Beispiel eine nachlassende Produktions-temperatur oder mangelnde Wirtschaftlichkeit befürchtet wird.

Das Feedback der Teilnehmer auf die Themenauswahl und den Verlauf der fünften Auflage der Internationalen Geothermiekonferenz war ausgesprochen positiv. „Die hervorragend orga-nisierte Konferenz zeigte das gesamte Spektrum der tiefen Geothermie und die Herausforde-rungen, denen sich die junge Branche stellen muss“, resümierte Norbert Hartlieb von enpros consulting.

Die Unterlagen des Konferenztages und des Short Course „Entwicklung von Niedrig-Enthalpie-Projekten“ bestehend aus Abstractband, CD mit allen Vorträgen und Teilnehmerliste können für je 150 Euro zzgl. MwSt. über agentur [at] enerchange [dot] de bestellt werden.

(ag)

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