Eavor nimmt Stromproduktion am Standort Geretsried auf

05.12.2025 | Projekte
Eavor-Projekt Geretsried.

Eavor hat offiziell damit begonnen, Strom aus seiner Anlage im oberbayerischen Geretsried in das öffentliche Stromnetz einzuspeisen. Das kanadische Unternehmen feiert diesen Erfolg als einen Meilenstein für die Geothermie und seine Closed-Loop-Technologie.

„Wir sind stolz darauf, die erfolgreiche Einspeisung der weltweit ersten Elektronen bekannt zu geben, die aus geschlossenen, multilateralen Bohrungen erzeugt wurden“, sagte Mark Fitzgerald, Präsident und CEO von Eavor. „Mit der Inbetriebnahme der Anlage in Geretsried sind wir zuversichtlicher denn je, dass sich unser geschlossenes System – entwickelt für hohe Anpassungsfähigkeit und geeignet für die vielfältigen Regionen der Welt – als führende Lösung für kommerzielle Geothermie-Anwendungen etablieren wird“, heißt es in der aktuellen Pressemitteilung.

Der Beginn der Einspeisung beweise, dass rund um die Uhr verfügbare, saubere Wärme und Strom durch Eavors Technologie möglich sind. „Eavors geschlossenes System ist für unterschiedlichste geologische Bedingungen geeignet und erfordert weder zukünftige Neubohrungen noch Maßnahmen zur Wasserbeschaffung oder -aufbereitung, was im Vergleich zu anderen Geothermie-Technologien über die Projektlaufzeit hinweg zu minimalen Wartungs- und Betriebskosten führt“, teilt das Unternehmen mit.

„Der technologische und kommerzielle Erfolg in Geretsried bestätigt das Projekt als Blaupause für eine breitere europäische und weltweite Umsetzung, da Regionen nach stabilen, lokal erzeugten, kohlenstofffreien Energiequellen mit minimalem Land- und Wasserbedarf suchen“ sagte Fabricio Cesário, Head of Project Delivery and Operations bei Eavor. „Wir sind unseren Projektpartnern besonders dankbar für ihr Vertrauen und ihre frühen Investitionen, die entscheidend dazu beigetragen haben, die Lernphase des ersten Projekts dieser Art voranzutreiben und die Projektentwicklung zu beschleunigen.“

Dieser Erfolg soll erst der Beginn auf Eavors Weg sein, die Loop-Technologie zu skalieren und die Zukunft erneuerbarer Energien aktiv zu gestalten. Aufbauend auf den Erkenntnissen aus Geretsried ist Eavor entschlossen, die Entwicklung weiter voranzutreiben.

Zweiter Loop soll ab März 2026 gebohrt werden

Der Weg bis zum jetzigen Erfolg war steinig und weit, berichtet der Münchner Merkur über den aktuellen Erfolg von Eavor. Kilometer um Kilometer wurde gebohrt, um in 4500 Metern Tiefe ein Geflecht parallel verlaufender Schleifen anzulegen. Durch sie zirkuliert Wasser, das vom etwa 160 Grad heißen Umgebungsgestein so erhitzt wird, dass es selbstständig wieder nach oben steigt. Fachleute sprechen vom Thermosyphoneffekt. 

Seinen ursprünglichen Zeitplan konnte Eavor nicht einhalten – mit der Stromproduktion für etwa 5000 Haushalte wollte das Unternehmen schon Ende 2024 beginnen. Probleme beim Bohren in der Horizontalen warfen das Projekt zurück. Solche Probleme seien in der Branche aber nicht ungewöhnlich und „Teil des Learnings“, so Unternehmenssprecher Alexander Land. Vier Loops will Eavor insgesamt bohren. Die gebohrte Strecke pro Loop-System ist etwa 80 Kilometer lang. Mit Loop Nummer zwei will das Unternehmen im März 2026 beginnen. 

Der Europäische Innovationsfonds fördert das Projekt mit 91,6 Millionen Euro. Mit 200 bis 350 Millionen Euro Gesamtkosten war anfangs kalkuliert worden. „Da sind wir drüber“, räumt Land ein. „Aber wir legen hier den Beweis an den Tag, dass unsere Technik wirklich funktioniert.“ Die Erfahrungen, die man beim Bohren des ersten Loops gemacht habe, würden bei den folgenden Loops zu einer deutlichen Kostenreduktion führen, meint Land.

Aktuell produziert das Kraftwerk laut Cesário zwischen 0,5 und einem Megawatt pro Stunde, das ins öffentliche Stromnetz eingespeist wird. Insgesamt soll das System einmal 8,2 Megawatt Strom einspeisen und 64 Megawatt Fernwärme liefern. Die Fernwärme könnte am Ende circa 30.000 Durchschnittshaushalte versorgen. Größter Abnehmer wird die Stadt Geretsried, die in den nächsten Jahren ein Fernwärmenetz bauen möchte.

Quelle:

Eavor

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