Vorstadtgebiet von Paris setzt bei der Kühlung auf Geothermie

17.08.2021 | Internationale Projekte | Cora Weidner
Saint-Denis

Die Gemeinde Issy-les-Moulineaux in einem Vorort von Paris nutzt jetzt den Untergrund, um umfangreiche geothermische Wärmepumpensysteme für Kühl- und Heizzwecke zu installieren. Das verspricht dank der Erdwärme eine Alternative zu den sehr umweltschädlichen Klimaanlagen.

Das von Engie Solutions entworfene System wird in Kellern installiert und nutzt 15 Grad warmes Wasser, das 35 Meter unter der Erde entnommen wird. Dieses wird genutzt, um Kälte als auch Wärme mit Hilfe von sogenannten "thermofrigopumps" zu erzeugen.

Kältenetz für das olympische Dorf in Saint-Denis

Um das olympische Dorf im Jahr 2024 zu kühlen, wird auch in der französischen Stadt Saint-Denis ein geothermisches Energienetz installiert. Die Geschäftsführerin von Engie Solutions Villes & Collectivités, Aurélie Lehericy bekräftigte vor dem Hintergrund der globalen Erwärmung und der Alterung der Bevölkerung "nicht von einem Bedarf an Kältekomfort [spreche], sondern von einem Bedarf an sanitärer Kühlung." Das Kältenetz würde außerdem die Bildung von sogenannten Hitzeinseln einschränken. Diese bilden sich jedes Jahr, wobei die Temperatur lokal durch die Umweltverschmutzung, aber auch durch die Klimaanlagen steigt.

70% erneuerbare Energie

Insgesamt wird das Wärme- und Kältenetz des Viertels zu etwas mehr als 70 % durch erneuerbare Energien betrieben. Für den Rest wird Strom benötigt.

Wie herkömmliche Klimaanlagen arbeitet auch diese Anlage mit Kältemitteln. Der Unterschied besteht allerdings im Aggregatszustand. In gasförmiger Form sind diese Flüssigkeiten starke Treibhausgase und können beim Bau, bei der Wartung oder aufgrund von Lecks entweichen. Sie tragen am meisten zur Umweltverschmutzung durch Klimaanlagen bei.

Neue Innovation

Bei der Anlage wird jedoch ein Fluid in kleinen Kugeln verwendet, die die wichtigste Innovation des Standorts darstellen: Sie befinden sich in einem großen 130 m3 fassenden Tank und dienen der Kältespeicherung (in Form von wiederverwendbaren Eiswürfeln), insbesondere nachts, um dem hohen Kältebedarf im Sommer gerecht zu werden. "Mit diesem System verbrauchen wir im Vergleich zu herkömmlichen Klimaanlagen 90 % weniger Kältemittel, was einer Halbierung der CO2-Emissionen gleichkommt", erklärt Aurélie Lehericy.

Für Issy-les-Moulineaux kostete das Wärme- und Kältenetz 8 Millionen Euro. 25 % dieses Betrags wurden vom Immobilienentwickler Altarea beigesteuert, und die Agentur für den ökologischen Wandel (Ademe) steuerte 532.000 Euro bei.

Reduzierung von Heizkosten

In der Stadt, in der im Stadtteil Fort bereits geothermische Energie genutzt wird, lobt der UDI-Bürgermeister André Santini die Vorzüge der Anlage für die Einwohner:innen: "Die Leute sind sehr überrascht, dass ihre Rechnungen sinken", versichert er.

Die Nutzung der Erdwärme ermöglicht es nämlich, die Auswirkungen der Preisschwankungen bei fossilen Brennstoffen und Strom auf die Kosten für Heizung und Klimaanlage zu begrenzen. Für die künftigen Bewohner:innen des Viertels, die im Sommer 2022 einziehen sollen, hat Engie die Kosten für Heizung und Klimatisierung auf 700 Euro pro Jahr für eine 65 Quadratmeter große Wohnung geschätzt.

In Frankreich machen gemeinsame Kühlnetze nur 7 % der Kälteerzeugung aus: Sie arbeiten nicht alle nach dem gleichen Prinzip, sondern versuchen, eine umweltfreundlichere Alternative zu individuellen Klimaanlagen zu bieten.

Quelle:

ThinkGeoenergy