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Forschung ist ein gutes Vehikel für die Internationalisierung der "Geothermie made in Germany"

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8 | 2014

Nachdem sie knapp zwei Jahre den weltweit ersten Lehrstuhl für Enhanced Geothermal Energy Systems (EGES) an der University of Alberta inne gehabt hatte, folgte die Geologin Dr. Inga Moeck dem gemeinsamen Ruf des GFZ in Potsdam und der TU München nach dem Jülicher Modell und bekleidet an der TU in München seit Mitte Juli eine Geothermie-Professur an der Ingenieurfakultät Bau Geo Umwelt. Im Interview mit der Informationsplattform Tiefe Geothermie erläutert die Wissenschaftlerin, warum es sie wieder nach Deutschland zog und wie sie die Weiterentwicklung der Geothermie hierzulande unterstützen will.

Prof. Dr. Inga Moeck. Bild: TU München
Frau Moeck, herzlichen Glückwunsch zu Ihrer neuen Professur an der TU München. Wieso verlassen Sie nach so kurzer Zeit einen hervorragend ausgestatteten Lehrstuhl in Kanada und übernehmen eine Professur in Deutschland?

Es ist richtig, dass die Ausstattung meiner kanadischen Professur sehr viel umfangreicher war als die der gemeinsamen Professur von TU München und GFZ. Doch in Kanada gibt es keine geothermische Industrie, angewandte Fragen aus der Praxis stellen sich noch nicht. In Deutschland, und gerade in Bayern, sind sowohl eine geothermische Industrie also auch operative Projekte vorhanden; die Anforderungen an die Wissenschaft ergeben sich aus der praktischen Erfahrung. Das ist für mich sehr wichtig als jemand der von einer TU (TU Berlin) kommt und die angewandten Geowissenschaften vertritt. Ich denke, dass ich durch die Nähe zur Praxis für die Geothermie mehr bewirken kann als aus Kanada. Ich stelle die Sache in den Vordergrund, nicht mich selbst.

Was ist die Besonderheit an der Geothermie in Deutschland, die das Thema für Sie so reizvoll macht?

Im weltweiten Vergleich ist Deutschland eigentlich nicht ein Land, in dem man auf eine breit angelegte Nutzung der Geothermie zur Wärme- und Stromerzeugung kommen könnte. Die meisten unserer geothermischen Lagerstättentypen sind durch konduktiven Wärmetransport dominiert während die weltweite geothermische Industrie in konvektiven Systemen angesiedelt ist. Doch Deutschland ist ein Technologieland, und über neue effiziente Technologien und innovative Nutzungskonzepte lassen sich auch tiefe geothermische Speicher in Deutschland nutzbar machen. Zudem ist das Wärmenetz und die Bevölkerungsdichte vorhanden, die Deutschland zum Vorreiter geothermischer Technologienentwicklung konduktiver Systeme machen können. An dieser Entwicklung möchte ich gerne mitgestalten.

Ihre Professur ist eine gemeinsame Berufung von GFZ und TU München nach dem Jülicher Modell. Wo werden Sie ihren Sitz haben, in Potsdam oder in München?

Die Lehre und Betreuung von Studenten findet an der TU München statt. Die Anbindung an eine Großforschungsreinrichtung wie dem GFZ kann für Studentinnen und Studenten der TU München von großem Vorteil sein, da wird meine Position ein Vehikel für den Austausch zwischen zwei starken Partnern sein wird. Somit werde ich dort sein, wo es die Geothermie gerade erfordert. Sicher werde ich aber bayerische Forschungsprojekte von München aus bearbeiten und nicht aus Potsdam.

Wo sehen Sie künftige Forschungsschwerpunkte, Ihre eigenen, aber auch die der geothermischen Industrie?

Als Strukturgeologin bin ich fachlich an Spannungsfeld und Thermalwasserfluß in geklüfteten Reservoiren interessiert. Insgesamt möchte ich den geologischen Kontrollfaktoren auf den Wäremtransport in verschiedenen geothermischen Systemen nachgehen und meinen Lagerstättentypen-Katalog weiter entwickeln. Das geht nur in internationaler Zusammenarbeit, und die Position am GFZ spielt hier eine ganz wichtige Rolle. Nun sind Karbonate aber seit meinem Studium meine Lieblingslithologie, daher arbeite ich sehr gerne im Malm des Molassebeckens. Die geothermischen Ressourcen im Großraum München haben das Potential, bei effizienter Nutzung München als Zentrum der Geothermie in Europa zu etablieren. Die Vorstellung, die Hauptstadt Bayerns in der Wärmeversorgung unabhängig von Gas oder Atom zu machen, motiviert mich. An der Realisierung dieser Vision werde ich zusammen mit Behörden und Industrie arbeiten.

Wie lässt sich der Wissenstransfer zwischen Universität, Behörden und Industrie verbessern?

Hier sehe ich die Stärke in meiner besonderen Position als Professorin im Land Bayern und gleichzeitig Wissenschaftlerin an einem Helmholtz Zentrum, also einer Forschungseinrichtung des Bundes. Wissenstransfer kann nur durch Kommunikation zwischen den einzelnen Institutionen stattfinden. Wie ich finde, sind wir derzeit auf einem guten Weg.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Geothermie im Spannungsfeld zwischen Politik, Öffentlichkeit und Industrie?

Aus dem Dialog mit Ministerien, Bevölkerung und Projektbetreibern weiß ich, dass die Geothermie gewollt ist. Aus der Bevölkerung sind es einige, die Urängste vieler nutzen, um gegen die Geothermie zu laufen. Durch Information und frühzeitige Aufklärung sind aber auch die meisten Menschen in Deutschland für eine Weiterentwicklung der Geothermie zu gewinnen. Die Aufgabe der Wissenschaft sehe ich darin, aus einer neutralen Position heraus diesen Aufklärungsprozess zu unterstützen. Die Frage nach zukünftigen Energieträgern beschäftigt viele Menschen, da spielen heimische Energieressourcen und dezentrale Versorgungsnetze eine wichtige Rolle.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation der Tiefen Geothermie-Branche? Können Sie Prognosen für die nächsten Jahre abgeben ?

Ich habe ein wissenschaftliches Interesse an der Geothermie, nicht ein kommerzielles. Daher bin ich auch kein geeigneter Sprecher für die Geothermie-Branche, um Prognosen abzugeben. Ich kann aber sagen, dass es mit neuen Projekten immer wieder neue Fragen an die Wissenschaft gibt. Wir brauchen die Betriebserfahrung und daher laufende Projekte. Davon muss es noch mehr geben. Dennoch wird die Geothermie für die nächsten Jahre eine Nischentechnologie bleiben. Diese Technologien sind aber auch exportierbar in andere Länder, und diesen Mehrwert an unserer Kompetenz können und sollten wir international stärker nutzen. Für die Internationalisierung der „Geothermie - made in Germany“ setze ich mich ein und Forschung ist hierfür ein geeignetes Vehikel.
 

Prof. Dr. Inga Moeck wird im Rahmen des Praxisforums Geothermie.Bayern, das am 8. und 9. Oktober in München stattfindet, über den aktuellen Stand der installierten Leistung geothermischer Projekte in Bayern und die Erfolgsaussichten der Geothermie sprechen. Hier findet sich das vollständige Programm des Praxisforums und die Möglichkeit, sich online anzumelden. Die reguläre Anmeldefrist endet am 29. September. Spätere Anmeldungen sind möglich, jedoch mit einer höheren Teilnehmergebühr verbunden.

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