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Wird Europa jetzt grüner?

Thema im Fokus: 
9 l 2019
Klimaneutral sollen die Mitgliedsstaaten der EU bis 2050 sein. Das postulierte die europäische Kommission unter der neuen Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen letzte Woche. „Green Deal“ nennt sich der Plan für ein grünes Europa. Was beinhaltet er und welche Rolle könnte die Geothermie spielen? Lesen Sie mehr im aktuellen „Thema im Fokus“.

Die Wissenschaft fordert es seit Jahren, 2019 strömten dann Schülerinnen und Schüler in Massen auf die Straße, das Thema Klimaschutz ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Dass ambitioniertes Handeln angesagt ist, steht außer Frage. Während große Verschmutzer, wie die USA und Brasilien, weiterhin blockieren, will nun die Europäische Union mit gutem Beispiel vorangehen.

Ambitionierte Ziele sind notwendig.

Die letzte Woche parallel zum Klimagipfel von Madrid (COP25) präsentierten Eckpunkte des „Green Deals“ setzen jedoch nicht nur das Ziel einer Klimaneutralität in ferner Zukunft – sie zeigen auch den Weg dorthin auf. Ambitioniert ist die Verschärfung des Zwischenziels für 2030: Eine Minderung der Treibhausgasemissionen um 50 bis 55 Prozent im Vergleich zum Basisjahr 1990 will sich die Europäische Union vornehmen. Bisher waren nur 40 Prozent angepeilt.

Bis März 2020 sollen die Klimaziele in einem Gesetz verankert und damit verbindlich werden. „Das ist ein wirklich großer Wurf“, zitiert Spiegel Online die EU-Expertin Ingeborg Niestroy vom Potsdamer Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS). „Im Gegensatz zum Klimapaket der Bundesregierung ist der ‚Green Deal‘ wirklich ambitioniert.“

Fahrplan für den Weg zur Klimaneutralität

Auch für die Maßnahmen, die zur Einsparung von CO2-Emissionen führen sollen, gibt es weitreichende Vorschläge. So sollen bestehende EU-Gesetze zur Energieeffizienz und zum Ausbau erneuerbarer Energien angepasst oder ergänzt werden. Industrie und Energieproduktion sollen zielstrebig dekarbonisiert werden und auch im Gebäudesektor will man die Treibhausgasemissionen durch Sanierung und Heizungstausch stark senken. Eine Offshore-Windenergie-Initiative für Europa soll die Windkraft auf hoher See fördern.

Eminent wichtig für die Erreichung der Klimaschutzziele ist der Verkehrssektor. Beim CO2-Ausstoß von Kraftfahrzeugen kommen schärfere Vorgaben auf die Automobilhersteller zu. Gleichzeitig will die EU den Ausbau der Elektromobilität unterstützen, die Anzahl der Ladestationen deutlich erhöhen und die Batterie-Produktion in Europa voranbringen. Als einziges Verkehrsmittel unterliegt bislang das Flugzeug dem europäischen Emissionshandel. Nun soll der Schiffsverkehr einbezogen werden, für den Luftverkehr soll es weniger kostenfreie Zertifikate geben.

Hinzu kommen geplante Reformen in der Agrarpolitik. Die als CO2-Senken so wichtigen Waldgebiete in der EU sollen zudem erhalten und wieder aufgeforstet werden. Christoph Bals, politischer Geschäftsführer der Entwicklungs- und Umweltorganisation „Germanwatch“, sagt im Focus-Online-Interview zu den Plänen: „Wenn das wirklich gelingt, was dort geplant ist, dann ist das ein Paradigmenwechsel. Klimapolitik wird dann nicht länger nur als Umweltpolitik betrachtet, sondern als transformative Politik, die auch die Wirtschaft, Rohstoff-Fragen, die Klimakrise und Biodiversität miteinander in Bezug setzt.“

Alle EU-Mitgliedsstaaten ins Boot holen.

Ein derart ehrgeiziger Umbau von Energiesystem, Verkehr, Industrie und Landwirtschaft kostet natürlich. So plant die EU-Kommission jährlich 260 Milliarden Euro für zusätzliche Investitionen ein, die sowohl aus dem privaten als auch aus dem öffentlichen Sektor kommen sollen.

Einzelne Länder, deren Wirtschaft besonders abhängig von fossilen Energien ist, sollen Unterstützung beim Übergang zum klimaneutralen Zeitalter erhalten. „Just Transition Strategie“ nennt sich das Programm, das beispielsweise Polen oder Tschechien finanziell unter die Arme greifen und damit auch auf den Weg in die Klimaneutralität bringen soll. Dennoch wollte sich Polen auf dem Gipfel der EU-Regierungschefs noch nicht auf verbindliche Klimaschutzziele verpflichten und bekam eine Bedenkzeit eingeräumt.

Bis 2023 sollen alle EU-Länder ihre Klimapläne überarbeiten und den neuen Klimaschutzzielen anpassen. „Es kommt jetzt darauf an, ob die 28 Mitgliedstaaten mitziehen", meint Klaus Jacob, Wissenschaftler am Forschungszentrum für Umweltpolitik an der Freien Universität zu Berlin laut Spiegel-Online. „In der Landwirtschaft gibt die EU-Kommission beispielsweise die Verantwortung weitgehend an die Länder ab und hat deshalb wenig Kontrolle, wie der ‚Green Deal‘ wirklich umgesetzt wird.“

Gemischte Reaktionen aus der Wirtschaft

Das Handelsblatt befragte deutsche Unternehmen zu den Plänen. Während RWE oder Bayer sich positiv geäußert hätten, habe sich der Verband der Automobilindustrie (VDA) dagegen ausgesprochen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) befürwortet nach Angaben des Handelsblatts die Pläne, der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks sagte: „Ein konkreter Hebel für mehr Klimaschutz wäre die Versorgung der Unternehmen mit kostengünstiger, grüner Energie. Viele Unternehmen investieren bereits in die Produktion von erneuerbarem Strom, den sie in der Regel direkt im eigenen Betrieb verbrauchen. Hier wäre noch deutlich mehr möglich, wenn regulatorische Hürden abgebaut würden.“

Potenzial für die Geothermie

„Was heißt das nun für die Geothermie?“, fragt Alexander Richter in unserem Partnerportal ThinkGeoEnergy. „Die Antwort ist kompliziert und doch einfach – alles dreht sich um die Wärme.“ Denn zwar ist die Geothermie nicht explizit erwähnt, doch die ambitionierten Klimaziele werden sich ohne sie nicht erreichen lassen.

Der Wärmesektor ist entscheidend – auch für die Industrie. Vergleicht man die Tiefengeothermie mit anderen erneuerbaren Wärmequellen, ist sie mit Wärmegestehungskosten von 30 bis 40 Euro pro Megawattstunde (MWh) äußerst günstig, wie das ifeu-Institut und die GEF Ingenieur AG im Auftrag des Energieeffizienzverbands für Wärme, Kälte und KWK e. V. (AGFW) berechnet haben.

Auch Philippe Dumas, Generalsekretär des European Geothermal Energy Council (EGEC), sieht die geothermische Wärmeerzeugung als entscheidenden Faktor, um die Klimaneutralität zu erreichen: „Der Green Deal muss die Dekarbonisierung der Wärme mit absolutem Vorrang behandeln, wenn es denn ernst gemeint ist, die Kohlenstoff-Neutralität zu fördern und dabei sicherzustellen, dass niemand zurück bleibt“, teilte er auf Enerchange-Anfrage mit. „Die effektivste Möglichkeit, dies umzusetzen, ist, auf das volle Potenzial aller erneuerbaren Energien zu setzen, insbesondere auf die geothermische Energie.“ Doch auch die Stromerzeugung und die technologische Weiterentwicklung hält Dumas für essentiell: „Der ‚Green Deal‘ sollte die nächste Generation geothermischer Stromerzeugung und neue Investitionen in diesen Bereich der technologischen Entwicklung fördern.“

Dezentrale Technologie mit geringen laufenden Kosten

Gerade in den urbanen Ballungsgebieten mit hoher Wärmedichte, kann die Geothermie bei der Wärmeerzeugung punkten. „Die Tiefengeothermie ist dezentral und hat vergleichsweise geringe laufende Kosten“, erklärt Benjamin Richter, der für Rödl & Partner das Modell Wärmezielscheibe entwickelt hat. „Für die Zielerreichung der dekarbonisierten Wärmeversorgung in Deutschland muss sie in dicht besiedelten Gebieten ausgebaut werden und einen höheren Stellenwert einnehmen.“ (wir berichteten).

Feste Biomasse (Holz) liegt mit Wärmegestehungskosten von 55 Euro nicht viel höher als die Tiefengeothermie. Aber das Potenzial ist nahezu ausgereizt. Flächenkonkurrenz mit der Nahrungsproduktion und die Bedeutung intakter Wälder als CO2-Senken sowie für den Erhalt der Biodiversität sprechen gegen eine Ausweitung der Wärmeerzeugung mit Biomasse.

„Wenn die entscheidenden Leitplanken für eine Dekarbonisierung der Energieerzeugung richtig gesetzt sind, werden die Investitionen in fossile Energieerzeugungsanlagen automatisch zurückgehen“, zieht Dr. Jochen Schneider, Geschäftsführer von Enerchange, das Resümee. „Die Unternehmen werden ihre Investitionsentscheidungen überprüfen, wenn die CO2-Preise steigen. Wichtig ist dabei eine Verlässlichkeit der Rahmenbedingungen. Dann kann ein klimafreundlicher Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft gelingen.“

IGC Invest Geothermal informiert über Investitionsmöglichkeiten

Welche Investitionsmöglichkeiten die Tiefengeothermie bietet, wird auf der IGC Invest Geothermal am 26. März 2020 in Frankfurt intensiv diskutiert. Zum dritten Mal treffen sich internationale Investoren für Eigen- und Fremdkapital, institutionelle Anleger, Banken, Fondsverwalter und Beteiligungsgesellschafter im Sofitel an der Frankfurter Oper.

Die Veranstaltung bietet einmal jährlich eine Gelegenheit für die Finanzbranche, sich kompakt und aus erster Hand über die Tiefengeothermie, ihre weltweite Entwicklung und die Investitionsmöglichkeiten der Technologie zu informieren. Die Veranstalter Enerchange und ThinkGeoEnergy werden auf der IGC Invest 2020 unter anderem den Themenschwerpunkt Mitteleuropa mit Risikobewertung und auf die Investitionschancen ausgerichtete Länderprofile setzen

(kj)

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