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Die Zukunft der geothermischen Energieversorgung

8. Oktober 2019

Wie die Tiefengeothermie ihr Potenzial für die dringend notwendige Wärmewende im Gebäudesektor entfalten kann, diskutierten Experten aus Wissenschaft, Politik und Praxis im Vormittag des Kongresstags beim Praxisforum Geothermie.Bayern am 8. Oktober in München.

Leidenschaftliche Diskussionen begleiteten den Auftakt des diesjährigen Praxisforums Geothermie.Bayern. Nachdem Prof. Manuel Frondel vom RWI Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung seine Thesen zur CO2-Bepreisung in einer Keynote präsentiert hatte – er plädierte für ein Emissionshandelssystem mit niedrigem Startpreis, wie es die Bundesregierung in ihrem Klimapaket beschlossen hat – schlug ihm heftiger Widerspruch aus dem Publikum entgegen. „Ohne einen CO2-Preis von 110 Euro pro Tonne haben wir keine Innovation in Deutschland“, stellte Erwin Knapek vom Bundesverband Geothermie fest. „Wir können nicht langsam anfangen, wir haben keine Zeit mehr.“

Die Bedeutung der Wärmewende für den Klimaschutz stellte Benjamin Richter von Rödl & Partner in seiner Keynote dar: „Die Wärme hat einen Anteil von 51 Prozent an unseren energiebedingten Emissionen. Darüber hinaus haben wir eine große Abhängigkeit von fossilen Energieimporten.“ Mit der „Wärmezielscheibe“ haben Rödl & Partner eine Matrix entwickelt, um das Spannungsverhältnis zwischen Siedlungsstruktur und Wärmedichte abzubilden. Eine Folgerung aus den Analysen ist: „Für eine erfolgreiche Wärmewende ist ein Instrumentenmix je nach Urbanitätsgrad erforderlich. Für die dicht besiedelten Bereiche ist die Fernwärme aus Tiefengeothermie eine der entscheidenden Technologien.“

Die dritte Keynote widmete sich dem Bayerischen Molassebecken als gesamt-geothermischem System. Prof. Michael Drews, der eine Professur für Geothermische Energiesysteme an der TU München innehat, erläuterte, was die Forschung hier für die Praxis leisten kann. So bestehen noch offene Fragen im komplexen Bereich der Wechselwirkungen zwischen Fließraten, Spannungen, Druck und Temperaturen.

CO2-Preis des Klimapakets ist lange nicht mutig genug.
Weitgehend einig waren sich die Referenten im Forum I am Vormittag des Kongresstages, dass das von der Bundesregierung präsentierte Klimapaket nicht ausreichend sein wird, um die Klimaschutzziele zu erreichen. „Die Politik läuft der Entwicklung hinterher“, konstatierte Matthias Albrecht von der Anwaltskanzlei Becker, Büttner, Held. „Wir müssen deutlich ehrgeiziger einsteigen. Bürger und Industrie sind dazu bereit.“ Zudem plädierte er für eine Abschaffung der EEG- und der KWK-Umlage. „Das ist ein bürokratisches Monstrum und hat eine fatale Lenkungswirkung.“

Auch dass die Geothermie eine breitere Wahrnehmung in Politik und Bevölkerung finden muss, bekräftigten gleich mehrere Referenten. „Wir müssen die Geothermie als Alternative aktiv ins Spiel bringen“, so Ralf Hengherr von B.E.B. Büro für Entscheidungsvorbereitung und Bauforschung.

Dass eine grüne Fernwärmeversorgung vielfältige Vorteile für die Kommunen bringt, zeigten Michael Rapp (AGFW) und Dr. Herbert Koschel (Stadtwerke München) in ihrer Präsentation. Die Wertschöpfung bleibt in der Region und die Klimaschutzziele werden erreichbar. Andreas Lederle von der Erdwärme Grünwald plädierte zudem für die Vernetzung kommunaler geothermischer Fernwärmenetze: „Das ist der Königsweg für die Klima- und Wärmewende.“

Die abschließende lebhafte Podiumsdiskussion beschäftigte sich erneut mit der Wahrnehmung der Geothermie in der Öffentlichkeit. Die Referenten plädierten für eine stärkere Vernetzung der Branche und konsequente Lobbyarbeit in den politischen Gremien. Dann kann die Geothermie ihr Potenzial entfalten. Das Praxisforum Geothermie.Bayern liefert zum nunmehr siebten Mal seinen Beitrag dazu.

Weitere Informationen finden Sie unter www.praxisforum-geothermie.bayern. (kj)

Quelle: 

Enerchange

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