Hamburg Energie plant Norddeutschlands größtes Geothermieprojekt

27.05.2019 | Hydrogeothermie | Jochen Schneider

Hamburg Energie will das Nahwärmesystem rund um den Energiebunker in Wilhelmsburg um eine Geothermieanlage und einen großen Aquiferspeicher erweitern. Voraussetzung dafür ist eine Förderung durch das Bundeswirtschaftsministerium für das rund 80 Millionen Euro teure Projekt.

"Wir haben in Wilhelmsburg die einmalige Chance, bis zu 70.000 Einwohner, sowohl im Bestand als auch im zukünftigen Neubau, mit Wärme aus einem dezentralen, vollintegrierten Erzeugerpark zu versorgen und dabei die Tür für die Geothermie in Norddeutschland weit aufzuschließen", betont Michael Prinz, Geschäftsführer Hamburg Energie in der WELT.

Hamburg Energie, ein Tochterunternehmen von Hamburg Wasser, will in dem Wilhelmsburger Energiebunker auch tiefe Geothermie nutzen. Der ehemalige Flakbunker wurde im Rahmen der internationalen Bauausstellung (IBA) zu einem Kombikraftwerk für die Erzeugung und Speicherung von Strom und Nahwärme umgerüstet wurde. Hamburg Energie baute nach der IBA den Energiebunker aus, um Wilhelmsburg nachhaltig mit Wärme- und die Strom zu versorgen. Am Energiebunker sind an der Fassade bereits Solarstrom und Solarwärme installiert, im Inneren ein großer Warmwasserspeicher und ein Blockheizkraftwerk, das kombiniert Strom und Wärme erzeugt.

Jetzt soll auch die tiefe Geothermie als Wärmequelle hinzukommen: "Mit unserer Bohrung in 3.500 Meter Tiefe wollen wir geothermische Hitze von 130 Grad Celsius ohne Wärmepumpe direkt nutzen. Im Zuge des Reallabors wollen wir hier auch einen Aquiferspeicher errichten, der über 20 Gigawatt Stunden Speicherkapazität hat, mit einer Einspeicherleistung von acht Megawatt und einer Entnahmeleistung von fünf bis sechs Megawatt," verdeutlicht Thomas-Tim Sävecke, Bereichsleiter Produktion bei Hamburg Energie, gegenüber der WELT. Den Bohrplatz plant Hamburg Energie mit einer Fläche von 7.500 Quadratmeter. Das Projekt soll 2020 beginnen und ab 2023 Energie bereitstellen.

Hamburg Energie hat sich in der in der Kategorie „Energieoptimierte Quartiere“ für die Förderung eines Reallabors beworben. Das Bundeswirtschaftsministerium hat vier Reallabore bundesweit ausgeschrieben zur Förderung der Energiewende. Dabei würden mehr als ein Viertel der Investitionen des Hambuger Projektes übernommen. "Durch das Reallabor möchten wir die Anschubfinanzierung für unser Geothermieprojekt bekommen, bei dem es Mehrkosten durch die erstmalige Realisierung gibt", sagte Prinz in der WELT. "Im operativen Betrieb würde sich das Projekt später 40 Jahre lang ohne weitere Förderung selbst tragen."

Quelle:

WELT

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