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Finanzierung von Geothermieprojekten in Zeiten der Krise

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07/2009

Geothermie ist nach wie vor ein rentables und nachhaltiges Investment in eine grundlastfähige und vom Wetter unabhängige Energieform. Daran hat auch die weltweite Finanzkrise nichts geändert. Mit der EEG-Vergütung sind feste Einnahmen bei Geothermieanlagen mit Stromproduktion auf 20 Jahre garantiert. Und Wärme-geführte Projekte rechnen sich zum Teil schon allein auf Grund des Wärmebedarfs von Kommunen in der kalten Jahreszeit bzw. von ganzjährigen Wärmeabnehmern wie Schwimmbädern und Industriekunden. Trotzdem ist es im Moment schwer, ein geothermisches Projekt zu finanzieren, vor allem von Seiten der Privatwirtschaft. Der Grund: "Wir finanzieren ein privatwirtschaftliches Geothermieprojekt - ohne Haftungseinbindung Dritter - erst nach der zweiten Bohrung", so Jens Heil von der LBBW in Mainz im Rahmen des Workshops des GtV-BV am 7./8. Juli 2009 in München. "Faktisch übernimmt die Bank kein Explorationsrisiko", so Heil weiter.

Dabei gibt es mittlerweile eine Vielzahl von staatlichen Förderprogrammen, die unter anderem im Rahmen der Konjunkturpakete aufgelegt wurden, und mit Hilfe derer das Risiko minimiert werden kann.

Gefördert werden können Maßnahmen zur Nutzung der Tiefengeothermie durch Darlehen und Tilgungszuschüsse im Rahmen des KfW-Programms "Erneuerbare Energien". Unterstützt werden sowohl Projekte zur Wärmeerzeugung als auch zur Stromproduktion oder Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), ebenso Investitionen in Wärmenetze. Anlagen zur ausschließlichen thermischen Nutzung können durch Bohrkosten- und Anlagenförderung bezuschusst werden. Zusätzlich gibt es noch den Förderbaustein "Mehraufwendungen für technische Bohrrisiken bei Tiefbohrungen", der auch bei Anlagen zur Stromerzeugung beantragt werden kann. Für diese Förderprogramme, die über eine Hausbank realisiert werden müssen, sind in den letzten Monaten Anträge gestellt worden.

Seit dem Frühjahr 2009 gibt es ein weiteres Förderprogramm: das von Bundesumweltministerium, KfW und Münchner Rück aufgelegte KfW-Programm "Fündigkeitsrisiko Tiefengeothermie". Hierbei handelt es sich um eine Kombination aus Darlehen und Haftungsfreistellung. Die 100%ige Haftungsfreistellung auf 80% der förderfähigen Bohrkosten bezieht sich ausschließlich auf den Fall der Nichtfündigkeit. Bei Feststellung der Fündigkeit erlischt die Haftungsfreistellung. Erklärtes Ziel dieses Kreditprogramms ist, die bestehenden Investitionshemmnisse bei geothermischen Tiefenbohrungen zu überwinden.

Obwohl also viele Anreize für eine Förderung von Geothermieprojekten geschaffen wurden, sind bislang keine Anträge für das Programm zur Fündigkeitsabsicherung gestellt worden. Der Knackpunkt scheint die Antragstellung über die Hausbank zu sein. Denn die Antragstellung für das KfW-Programm "Fündigkeitsrisiko Tiefengeothermie" hat vor Beginn des Vorhabens über eine Hausbank zu erfolgen. Die Hausbank aber will die über die Haftungsfreistellung für die Fündigkeit hinausgehenden Risiken (z.B. Eigenanteil oder Bohrrisiken) nicht tragen. Hier spielt sicherlich auch die globale Wirtschaftskrise, die hier wohl ein verändertes Risikobewusstsein bei den Banken geschaffen hat, eine Rolle. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Banken zum Teil aufgrund fehlenden Fachwissens nicht der Lage sind, das Risiko entsprechend zu bewerten und daher die Anträge nicht bearbeiten können. Auch ist der Prüfungsaufwand für eine Hausbank hoch und wenige Institute verfügen über das für die Prüfung notwendige Know-how. Eine mögliche Lösung wäre, das Risiko auch für Hausbanken zu verringern, beispielsweise durch eine 100%ige Haftungsfreistellung der Hausbank. Dies kann von der KfW nicht geleistet werden und erfordert deshalb die Absicherung der Hausbank über das Eigenkapital des Projektinhabers.

Ein weiteres Hindernis ist, dass bei der Projektplanung nicht absehbar ist, mit welchem Zinssatz gerechnet werden kann, da dieser erst nach der Projektprüfung von der Hausbank festgelegt wird. Dies erschwert die Wirtschaftlichkeitsberechnung für ein Projekt.

Nach dem im Rahmen des Workshops des GtV-BV die Problematik ausführlich erörtert wurde, wird sich das BMU gemeinsam mit KfW und Münchner Rück nun beraten, um die einzelnen Punke zu prüfen und gegebenenfalls nachzubessern. Schließlich stehen Fördergelder von insgesamt 60 Mio. € für Geothermieprojekte zur Verfügung. Horst Kreuter vom GtV-BV resümiert: "Gegenüber Wind- und Solarprojekten sind Geothermieprojekte sehr anspruchsvoll und Erfahrungen mit dem Programm zur Absicherung des Fündigkeitsrisikos müssen erst noch gesammelt werden. Dies betrifft alle Akteure, nicht nur Hausbanken und KfW, auch die Projektinitiatoren müssen im Hinblick auf die Qualität ihrer Projektdaten zum Teil noch dazulernen. Das Programm wird ein Erfolg werden, wenn die ersten Erfahrungen vorliegen und dann auch das Interesse Hausbanken wächst, Geothermieprojekte zu finanzieren."

(ag)

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