Geothermie als Geldanlage

Thema im Fokus 1-2021 | Karin Jehle
Tiefenbohrungen, wie sie für die Nutzung der Geothermie notwendig sind, erfordern inklusive aller Vorerkundungen und Genehmigungsverfahren Investitionen in Millionenhöhe. Ist die Bohrung dann fündig, fließen über viele Jahre gleichmäßige und rentable Erträge. Ab welchem Zeitpunkt eine finanzielle Beteiligung von Privatanleger*innen an einem Geothermieprojekt sinnvoll ist, beleuchten wir in dieser Ausgabe von „Thema im Fokus“.

Die Insolvenz des Finanzunternehmens Geokraftwerke.de GmbH im vergangenen Jahr warf einige Fragen zu Investitionsangeboten für Privatanleger*innen in Tiefengeothermieprojekte auf (wir berichteten). Dies galt insbesondere deshalb, weil das Gros der Investor*innen private Kleinanleger*innen waren, deren Nachrangdarlehen nun wahrscheinlich verbrannt sind. Doch was bedeutet die Insolvenz generell für Investitionen in die Tiefengeothermie?

Mehrheitlich Privatinvestor*innen hatten nachrangige Darlehen in Höhe von über 30 Millionen Euro der Geokraftwerke.de GmbH zur Verfügung gestellt. Laut Verkaufsprospekt sollten die als Namensschuldverschreibungen bezeichneten Anlagen 7,25 Prozent Basiszins jährlich einbringen. Hier ist jedoch festzuhalten, dass die Insolvenz nicht auf die Technologie, die tiefe Geothermie, zurückzuführen ist, denn aus dem Bohrloch in Kirchweidach wurde nachgewiesenermaßen Tiefenwasser zur Wärmeversorgung gefördert.

In dieser Ausgabe von „Thema im Fokus“ befassen wir uns mit der Frage, welches Licht die Insolvenz auf Investitionen in Geothermieprojekte werfen könnte und ob diese zu risikoreich für Privatinvestor*innen sind. Dazu haben wir auch den Finanzexperten Markus Faul-Seebauer von Green City Energy befragt.

Wurden die Kleinanleger*innen nicht ausreichend über das Risiko informiert?

Nachrangdarlehen, wie die von der Geokraftwerke.de GmbH ausgegebenen Namensschuldverschreibungen, sind nicht per se eine risikoreiche Anlageform. Sie besagen jedoch, dass die Kapitalgeber*innen, beispielsweise bei Zahlungsunfähigkeit, in ihrem Rang hinter allen anderen Gläubiger*innen zurücktreten und somit zuletzt bedient werden. Damit gehen sie nur leer aus, wenn die Gesellschaften Pleite gehen, was allerdings im vorliegenden Fall zu befürchten ist.

Markus Faul-Seebauer, Business Development Manager und Finanzexperte bei Green City Energy, weist darauf hin, dass sich Nachrangdarlehen grundsätzlich schon für risikoreiche Anlagen eigneten; es komme immer auf den Einzelfall an, denn die Ausprägungen seien sehr unterschiedlich. „Die moderne Form eines Nachrangdarlehens ist das Crowdfunding, welches im Regelfall auf einem Nachrangdarlehen basiert“, erklärt Faul-Seebauer. „Da Crowdfunding aus dem Bereich der Start-Ups und der Ideenfinanzierung geboren wurde, impliziert dies automatisch schon den Risikoaspekt, da die zu finanzierenden Unternehmen und Projekte von der Prototypfinanzierung bis zur Expansionsfinanzierung reichen, bei denen noch nicht klar ist, ob sich jemals ein Business-Case ableiten lässt oder Erfolg haben wird. Aber auch Regenerative Energien- oder Immobilienprojekte werden von der Bau- bis zur Betriebsphase über Nachrangdarlehen finanziert, weil dieser Projekttyp gut zu kalkulieren ist und das Risiko dadurch überschaubar ist.“

Indes wies ein Zinssatz von 7,25 Prozent jährlich, wie ihn die Geokraftwerke.de versprach, auch schon im Jahr 2011 auf eine risikoreiche Investition hin. In Zeiten von Niedrigzinsen gibt es für eher konservative, auf Sicherheit bedachte Geldanlagen deutlich weniger Zinsen. In jedem Fall ist es die Pflicht eines Emittenten von Kapitalanlagen, die Investor*innen über das Risiko eines möglichen Totalverlusts zu informieren und dafür Sorge zu tragen, dass die entsprechenden Projekte professionell, schnell und erfolgreich vorangetrieben werden.

Ist Geothermie zu risikoreich für Privatinvestor*innen?

Gerade die Bohrphase und die vorangehende Planungs- und Genehmigungsphase sind bei Geothermieprojekten mit finanziellen Risiken behaftet. Auch wenn die geologischen Erkundungsverfahren vor der eigentlichen Bohrung heute deutlich ausgereifter sind, gilt immer noch der alte Bergmannsspruch: „Vor der Hacke ist’s duster.“

Stellt sich heraus, dass Temperatur oder mögliche Förderrate der aufgefundenen Tiefenwässer entgegen aller Wahrscheinlichkeit doch nicht für den Betrieb einer Geothermieanlage ausreichen, sind Millionen Euro buchstäblich in den Sand gesetzt. Dies sind Risiken, die eher große Kapitalgesellschaften schultern können.

Entsprechend differenziert auch Finanzexperte Faul-Seebauer die Risiken bei der Investition in Geothermieanlagen: „Der Grad des Risikos hängt davon ab, zu welchem Projektstand man einsteigt bzw. den Anleger mit ins Boot nehmen würde. Möchte man Anlegergelder bereits für die Probebohrungen und Antragsverfahren verwenden, so würde ich das in die Kategorie Hochrisikoanlage verorten. Das ist meines Erachtens für Privatinvestoren nicht das geeignete Spielfeld.“

Anders sieht es aus, wenn die Projektentwicklung weiter fortgeschritten ist. „Sofern ein baureifes Projekt vorliegt, z.B. durch positive Bohrungen, Baugenehmigung, Wärmenetzkonzept etc., dann wäre durch ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis die Grundlage für die Finanzierung des Vorhabens durch ein Nachrangdarlehen, natürlich mit entsprechenden Risikohinweisen, durchaus gegeben“, erklärt Faul-Seebauer.

Geothermie als Bürgerenergieprojekt

Ist die Bohrung fündig, besteht beispielsweise die Möglichkeit, dass Bürger*innen ein Wärmenetz für ihre Gemeinde finanzieren und den Wärmeverkauf genossenschaftlich organisieren. Im Bereich der Biomasse ist dieses Modell seit Jahren etabliert – zum Beispiel in Dornhausen südwestlich von Nürnberg, wie der Bayerische Genossenschaftsverband auf seiner Webseite berichtet.

Faul-Seebauer skizziert für die Geothermie folgendes Konzept: „Wenn man beispielsweise Stadtwerke als Hauptinvestor gewinnt, die in die Risiko-Vorfinanzierung gehen und die Gesamtfinanzierung sicherstellen, könnte man, um die Bürger einer Gemeinde einzubinden, für einen Teil des Investitionskapitals ein Nachrangdarlehen für Bürger zur Verfügung stellen. Der Vorteil ist dabei, dass man für das Geothermieprojekt eine hohe Akzeptanz in der Gemeinde erhält.“

Was wirft die Insolvenz der Geokraftwerke.de für ein Licht auf die Geothermie?

Die Insolvenz der Geokraftwerke.de GmbH ist für die betroffenen Kleinanleger*innen ärgerlich, für einige unter ihnen vielleicht auch existenziell. Daraus jedoch zu schließen, dass Investitionen in Geothermieprojekte generell riskant seien, wäre unverhältnismäßig.

Laut Angaben der Informationsplattform www.waermewende-durch-geothermie.de waren von 82 bisher niedergebrachten Tiefengeothermie-Bohrungen in Deutschland 78 fündig, das heißt sie erschlossen eine Quelle, die für die Wärme- bzw. Stromversorgung nutzbar ist. Immer genauere Seismik-Untersuchungen aber auch die Erfahrungen aus den bestehenden Bohrungen tragen dazu bei, dass das Wärmepotenzial im Untergrund immer präziser identifiziert und gezielt angebohrt werden kann.

Seit 2011 sind im Bayerischen Molassebecken sieben Stromprojekte erfolgreich in Betrieb gegangen. Die Projekte, in welche die Geokraftwerke.de investierte, sind leider nicht darunter. Einzig in Kirchweidach sind die Bohrungen abgeschlossen und das Unternehmen kann Energie produzieren und Rückflüsse erzielen. Damit wird auch deutlich, dass nicht die Technologie der tiefen Geothermie die Firma in die Insolvenz getrieben hat. Aktuell werden am Bohrungsstandort Kirchweidach gerade Energieerzeugungsanlagen gebaut und zuvor schon versorgte die Tiefenwärme dort ein großes Gewächshaus und zahlreiche Haushalte.

Unstrittig ist, dass die Geothermie für eine klimafreundliche Versorgung mit Strom und Wärme ein großes Potenzial bietet und in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen wird. Sie ist die einzige Energieform die CO2-frei, ganzjährig, grundlastfähig Strom und Wärme bereitstellt. 2019 produzierten Geothermieanlagen in Deutschland laut www.statista.de 196 Gigawattstunden klimafreundlichen Strom; das entspricht dem Verbrauch von 78.400 Haushalten (2.500 kWh Strom pro Jahr). Hinzu kommen 1.026 Gigawattstunden Wärme (256.500 Haushalte mit 4.000 kWh Wärme pro Jahr).

Fehlgeschlagene Investments gibt es in allen Branchen – unseriöse Anbieter*innen auch. Ja, es kann auch im Bereich der Erneuerbaren Energien passieren, dass Kleinanleger*innen im großen Stil Verlust machen. Das wohl bekannteste deutsche Beispiel ist die Pleite des Windenergieunternehmens Prokon, das mit Zinsversprechen von acht Prozent auf Genussrechtsscheine rund 1,4 Milliarden Euro bei Privatinvestor*innen einwarb (ein sehr informativer Artikel hierzu findet sich auf www.klimareporter.de). Und nein, nicht alle Firmen, die in der regenerativen Branche mitwirken, tun dies aus reinem Idealismus – warum sollten sie?

Es gilt, Angebote für Investitionen in regenerative Energien gut zu prüfen und sich entsprechend zu informieren – wie es bei jeder anderen Geldanlage auch angeraten ist. Dann lassen sich ökologischer Nutzen und – angemessener – ökonomischer Gewinn durchaus in Einklang bringen.

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