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Global Divestment – Chance für die Geothermie?

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8 | 2017

Letzte Woche haben der französische Präsident, Emmanuel Macron, der Präsident der Weltbank, Jim Jong Kim, und der UN Generalsektretär António Guterres zum One Planet Summit nach Paris geladen. Neben 50 Staats- und Regierungschefs wurden mehr als 4.000 Teilnehmer erwartet. Ziel des Gipfels war es, die Finanzfragen, die sich aus dem Pariser Klimaschutzabkommen 2015 ergeben haben, zu diskutieren, Strategien zu entwickeln und entsprechende Beschlüsse zu fassen. Insbesondere die dort von Banken und Versicherungen getroffenen Ankündigungen lassen aufhorchen.

Seit mehreren Jahren liefen die Entwicklungen zwischen Finanzmarktstrategie und Klimaschutz in entgegengesetzte Richtungen. Unter dem Schlagwort „Global Divestment“ ist ein weltweit stark wachsender Trend entstanden, dem sich mittlerweile mehr als 60 Nationen, zahlreiche Städte, akademische Einrichtungen, Banken, Versicherungen,  Pensionsfonds, Industrieunternehmen, Organisation und viele weitere angeschlossen haben. Unterstützt wird diese Bewegung international vom UNFCCC, in Deutschland vom WBGU Wissenschaftsbeirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen, zahlreichen NGOs und anderen Organisationen. Unter dem Begriff „Divestment“ wird der Rückzug von Investitionen aus Bereichen verstanden, die sich als besonders ungerecht, armutssteigernd, umwelt- und klimaschädlich erwiesen haben. Entstanden ist diese Bewegung 2011 in den USA, als eine Gruppierung von Studenten ihre Universität aufforderte, Investitionen aus der E&P- und der Kohleindustrie zurückzunehmen. Diese „Graswurzelbewegung“ hat sich längst in eine globale klimapolitische Strategie verwandelt. Das haben auch Investoren, führende Geldinstitute und Versicherungen erkannt. Insgesamt summierte sich 2017 das deinvestierte Geldvolumen aus Kohle, Gas und Erdöl weltweit auf mehr als 5.500 Milliarden Dollar.

Prinzipiell bezieht sich der Begriff „Global Divestment“ auf Deinvestitionen aus fossilen Energiequellen allgemein, fokussiert in Deutschland aber sehr stark den Kohleausstieg. Unter anderem haben dieses Jahr die großen Versicherungskonzerne Axa, Munich Re, Zürich Re, Swiss Re und auch die Allianz groß angelegte Divestments öffentlich bekundet – jedoch relativ halbherzig, denn diese Deinvestitionsstrategien betreffen nur den Kohle - nicht aber den E&P Sektor. Bekannt ist auch nicht, an wieviel Kohle-Investitionen und Versicherungen noch im Auftrag von Drittkunden festgehalten wird.

In Deutschland entschlossen sich Berlin und Bremen als erste Bundesländer, ihre finanziellen Rücklagen - beispielsweise Beamtenpensionen - nicht mehr in Gas, Kohle und Erdöl anzulegen. Mittlerweile ziehen Hessen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein nach. Für das Geld, das durch die Bundesbank verwaltet wird, bedarf es nun einer neuen Investitionsstrategie, die einen entsprechenden Nachhaltigkeitsstandard erfordert.

Nun stellt sich zurecht die Frage, ob die Geothermie von dieser klimapolitischen Entwicklung profitieren kann? Die Energiewende ist politisch und wirtschaftlich nicht mehr umkehrbar, auch wenn die Stagnation und politische Blockade in Deutschland erstmal ein anderes Bild zeichnet. Langfristig wird sie sich durchsetzen. Aber es braucht überzeugende Argumente, um den derzeitigen Ausflüchten über drohende Blackouts und einer angeblich resultierenden Destabilisierung der Versorgungssicherheit die Kraft zu nehmen. Eine sichere und stabile Vollversorgung mit 100 Prozent erneuerbarer Energie ist möglich, wie das groß angelegte, vom BMU geförderte Forschungsprojekt Kombikraftwerk 2 zeigt. Weit über 10 Jahre haben das Fraunhofer IWES, zusammen mit Siemens, Enercon, dem Deutschen Wetterdienst, der Agentur für Erneuerbare Energie und vielen weiteren Partnern nachgewiesen, dass über eine Verknüpfung von dezentralen, fluktuierenden Energieerzeugern (Wind, Solar) mit regelbaren erneuerbaren Energien (Geothermie, Bioenergie, Wasserkraft) in Verbindung mit Speichertechnologie und Verbrauchern Netzschwankungen großräumig und zeitlich ausgeglichen werden können, die gleichzeitig auch planbar sind.

Der Geothermie werden in diesem Szenario für Deutschland knapp fünf Gigawatt installierte Leistung zugewiesen, die derzeit noch in weiter Ferne liegen. Damit würde die Geothermie nicht mehr nur noch ein Nischendasein fristen, sondern nähme klar eine tragende Grundlastfunktion im erneuerbaren Energie-Mix ein. Das bedingt allerdings einen verstärkten und zuverlässigen Ausbau dieser Technologie zu vernünftigen Konditionen. Der Großraum München, wo die Bedingungen für die Entwicklung von Geothermieparks günstig sind, könnte diesen Beitrag leisten. München hat sich der Divestment Strategie zwar nicht explizit angeschlossen. Jedoch zeichnen die Stadtwerke München mit ihrer Fernwärme-Vision, bis 2040 ganz München mit geothermischer Wärme zu versorgen und dem kürzlich in einem Bürgerentscheid beschlossenen Kohleausstieg bis 2022, ähnliche Strategien. In anderen Bundesländern muss der Ausbau der Geothermie erst noch erfolgen, mit anderen, an die lokale Geologie angepassten Ansätzen. So überzeugend dieses Modell einer Vollversorgung mit erneuerbarer Energie ist, bleiben solche Szenarien auf absehbare Zeit Zukunftsmusik, da der politische Umsetzungswille fehlt, sowohl bundespolitisch, als auch auf Landes- und Kommunalebene. Dem steht zusätzlich noch eine starke Lobby aus der fossilen Energiewirtschaft gegenüber.

Im Zuge der mittlerweile auch in Deutschland verbreiteten Divestment-Strategie großer Anleger, ist die Geothermie für Banken, Versicherungen und Pensionsfonds ein lohnendes Gegeninvestment zu Kohle, Gas und Erdöl. Denn neben Strom, liegt ihre größte Stärke in einer stabilen und zuverlässigen Wärmeversorgung von ganzen Stadtteilen bis hin zu Kleinstädten. Beispielsweise beliefern die Anlagen in Unterschleißheim, Unterföhring, Pullach bei München, Grünwald und viele andere, seit Jahren sehr erfolgreich ihre Kunden mit klimaneutraler, geothermischer Fernwärme. Teilweise erfolgte bereits eine Nachverdichtung über weitere Bohrungen, um der großen Nachfrage überhaupt gerecht werden zu können. Zudem fördern attraktive Preisgestaltungen wie in Pullach (wir berichteten) die Kundengewinnung und -bindung.

Doch in der langfristigen Klimaprognose ist die nächst liegende Konsequenz der sinkende Bedarf an Heizenergie. Dafür wird die Nachfrage nach Energie für Kühlzwecke steigen. Hier kann die Geothermie ihr volles Leistungsspektrum ausspielen. Als einzige erneuerbare Technologie ist sie in der Lage, aus dem heißen Thermalwasser im Untergrund Heizwärme und Kälte bereitzustellen. Bei geeigneten Temperaturen und gut geplanten Anlagen kann gleichzeitig noch Strom produziert werden. Durch ihre regelbare, stabilisierende und somit planbare Energiebereitstellung, lässt sich für Anleger eine verwertbare Rendite erwirtschaften. Mit einem hochwertigen Qualitätsmanagement und weiterer Risikominimierung durch die kontinuierliche technische Entwicklung, kann die Geothermie ein zuverlässiger Teil einer globalen Divestment Strategie werden.

Ob Divestments allerdings der Hebel sind, um das Pariser 2-Grad-Ziel von 2015 klimapolitisch noch zu erreichen, bleibt offen. Ob sie global wirtschaftlich positive Auswirkungen haben oder gar risikobehaftet sind, darüber divergieren die Expertenmeinungen.

(sv)

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