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Das Norddeutsche Becken - enormes geothermisches Potenzial schlummert im Schatten von Oberrhein und Molasse

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04/2010

Von den drei Provinzen für hydrogeothermische Nutzung in Deutschland fristet das Norddeutsche Becken ein Nischendasein und ist nur bei wenigen Entwicklern und Investoren im Fokus. Noch Ende 2008 waren in Brandenburg nur vier Erlaubnisfelder vergeben - gegenüber annähernd 100 in Bayern. Inzwischen allerdings wächst in der Geothermiebranche das Interesse am Norddeutschen Becken. Nicht ohne Grund, denn das Norddeutsche Becken steht eigentlich zu Unrecht im Schatten der anderen Provinzen. So hat die geothermische Entwicklung hier schon früh begonnen: Zwischen 1980 und 1990 wurden in der ehemaligen DDR in Waren, Neubrandenburg und Prenzlau jeweils ein hydrothermales Heizwerk in Betrieb genommen und weitere Standorte vorbereitend untersucht. Nach der deutschen Einheit wurden die Anlagen in Neubrandenburg und Waren modernisiert und in Neustadt-Glewe eine überarbeitete Anlagenkonzeption verwirklicht, die 1995 in Betrieb ging. Neustadt-Glewe stellt seither ca. 6,5 MW geothermische Wärme für ein Fernwärmenetz zur Verfügung. Um auch Strom erzeugen zu können, wurde die Anlage um ein ORC-Kraftwerk mit 230 kW erweitert. Neben dem Kraftwerk in Neustadt-Glewe, wird an zwei Standorten (Groß-Schönebeck und Hannover) an Demonstrationsvorhaben geforscht, weitere Projekte sind in Planung. (Weitere Informationen zur geothermischen Anlage in Neustadt-Glewe im

Top-Thema 11-09) Vielversprechend für eine geothermische Nutzung sind die Temperaturen, die zum Teil auch ideal für geothermische Stromerzeugung sind. In den zentralen Bereichen des Norddeutschen Beckens herrscht am Top des sedimentären Rotliegend immerhin eine Temperatur von 130 - 160 °C. In einem begrenzten Gebiet zwischen Hannover und Celle sowie zwischen Wittenberge und der Müritz misst man sogar 160 - 190 °C. Als geothermische Reservoire kommen verschiedene poröse Sandsteine und Karbonate in Frage, die seit dem Karbon vor ca. 300 Millionen Jahren abgelagert wurden. Durch über 10.000 Erkundungsbohrungen nach Erdgas, Erdöl, Salz ist der geologische Aufbau des Norddeutschen Beckens sehr gut erforscht, so dass man im Rahmen der Voruntersuchungen auf eine hervorragende Datenbasis zurückgreifen kann. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Nutzung der bestehenden Bohrungen, was die Investitionen minimiert. Aber auch eine EGS-Nutzung erscheint im Norddeutschen Becken als möglich. Nach einer Studie des Geothermie-Zentrums Bochum, kommen in Brandenburg als Zielhorizont die permokarbonischen Vulkanite in Frage, die sich auch für eine Stimulation sehr gut eignen. Diese Vulkanite sind weit verbreitet und weisen Mächtigkeiten von bis zu 1.600 m auf. Die zu erwartenden Temperaturen liegen im Bereich von 150 °C bis 200 °C. Diese Wärme soll beispielsweise in dem Geothermieprojekt der

Geothermis AG in Lohmen genutzt werden, indem zwei verbundene Bohrungen einen Kreislauf herstellen in dem Thermalwasser zirkuliert und sich erhitzt. Das geothermische Potenzial und die spezifischen Herausforderungen des Norddeutschen Beckens, etwa die Reservoirerschließung und hochmineralisierte Thermalwässer, sollen nun erstmals im Rahmen einer eigenen Veranstaltung beleuchtet und diskutiert werden: vom 7. bis 8. Oktober 2010 findet in Schwerin erstmals die Konferenz GeothermieNord statt. Veranstalter der Konferenz ist die Agentur Enerchange, als Unterstützer konnte die WEMAG AG gewonnen werden. GeothermieNord umfasst in seiner ersten Ausgabe zwei Workshops sowie ein Kongress und bietet insbesondere Vertretern von Kommunen, Stadtwerken, Investoren und Projektentwicklern eine gute Möglichkeit, um über sich vor Ort über die geologischen Besonderheiten, die Entwicklung von Geothermieprojekten und die spezifischen Chancen und Risiken des Norddeutschen Beckens informieren zu lassen. Weitere Informationen zur Konferenz finden Sie unter

www.geothermienord.de.

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