Mannheim braucht regenerative Wärme

27.10.2020 | Marktentwicklung | Jochen Schneider

Bis ins Jahr 2034 soll das Grosskraftwerk Mannheim (GKM) vom Netz gehen, da es mit Steinkohle befeuert wird. Die entstehende Versorgungslücke könnte Geothermie und Umweltwärme decken.

Am 21. Oktober fand in Neckarau eine von der SPD organisierte Podiumsdiskussion mit dem Titel „Wie ist die Zukunft des GKM und der Wärme- und Energieversorgung in Mannheim und der Metropolregion?“ statt. Geladen waren die Umweltwissenschaftlerin Dr. Amany von Oehsen vom BUND Heidelberg, Holger Becker, kaufm. Vorstand des Großkraftwerks Mannheim (GKM), der GKM-Betriebsratsvorsitzende Ümit Lehimci, Dr. Hansjörg Roll als Mitglied des Vorstands der MVV Energie AG sowie der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Dr. Boris Weirauch.

Schnellerer Kohleausstieg

Die Diskussionsteilnehmer waren sich zwar alle einig, dass eine Energiewende kommen muss, jedoch strittig ist der Zeitpunkt. Während Vertreter des GKM, 2034 als Ausstiegszeitpunkt für das zweitjüngste Kohlekraftwerk - Block 9 ging erst 2015 ans Netz - als zu früh erachten, sieht die Vertreterin des BUND ein früheres Ausstiegsziel, bis in 10 Jahren für möglich und notwendig. Aktuell soll mit einer Unterschriftensammlung ein Antrag im Mannheimer Gemeinderat gestellt werden, dass dieser die Stadtverwaltung mit einem Klimakonzept beauftragt. Das Klimakonzept soll sich unter anderem mit der Umstellung der Mannheimer Fernwärme von Steinkohle und Müll auf erneuerbare Energieträger bis zum Jahre 2030 beschäftigen. Als Wärmeträger sind Flusswärmepumpen an Rhein und Neckar (40 %) und Geothermie aus dem Oberrheingraben (30 %) in der Diskussion.

Geothermie und Umweltwärme ist Mannheims Zukunft

Von Oehsen sieht diese Umstellung als sportliches Ziel, doch jetzt müssten dafür die Grundlagen geschaffen werden. Ein Gas- und Dampfkraftwerk lehnte sie ab, da es in der Gesamtbilanz auch nicht sauberer ist, wie ein Steinkohlekraftwerk.

Auch die MVV sieht ein Gaskraftwerk mittlerweile kritisch, da die Infrastruktur erst geschaffen werden muss und es momentan zu viele politische Unwägbarkeiten gibt. MVV-Vorstandsmitglied Roll sieht für die Erzeugung der Fernwärme ebenso ein großes Potenzial bei Geothermie und Flusswärmepumpen, wofür das Unternehmen beim Bund auch einen Förderantrag gestellt hat. Er stellte klar, dass sein Unternehmen dafür garantiert, dass der Strom zukünftig bezahlbar bleibt.

Gemeinsames Aufsuchungsfeld mit der EnBW

Die MVV Energie AG (MVV) und die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) haben zusammen eine Erlaubnis zur Aufsuchung von Erdwärme, Sole und Lithium zu gewerblichen Zwecken beantragt. Es geht dabei um das Aufsuchungsgebiet im Raum Mannheim-Heidelberg-Schwetzingen. Eingeschlossen in das Aufsuchungsgebiet ist auch die bestehende Geothermiebohrung in Brühl.

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