Der niederösterreichische Energieversorger EVN und die Universität Wien führen derzeit nicht nur seismische Messungen, sondern auch geologische Bohrungen im südlichen Wiener Becken durch, heißt es in einem aktuellen Bericht des ORF. 240 Geophone seien auf einer Fläche von rund 220 Quadratkilometern verteilt worden, um das natürliche seismische Grundrauschen der Erde zu messen. Mit den gewonnenen Daten sollen Rückschlüsse auf die Struktur der Gesteinsschichten in mehreren Kilometern Tiefe gezogen werden.
Parallel dazu gibt es eine Forschungsbohrung in Bad Vöslau (Bezirk Baden) in 70 Meter Tiefe. Das langfristige Ziel ist es, bis zum Jahr 2035 zwei Tiefengeothermie-Anlagen an das regionale Wärmenetz anzuschließen. Die erste Anlage soll möglichst bis zum Jahr 2030 verwirklicht werden, sagte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) bei der Vorstellung des niederösterreichischen „Generationenprojekts“ im vergangenen Jahr. Investiert werden laut Landespressedienst rund 100 Millionen Euro. Der Standort für die geplanten Anlagen steht noch nicht fest.
Im niederösterreichischen Industrieviertel sind den Angaben zufolge entlang der sogenannten Thermenlinie rund zehn Terawattstunden Wärme verfügbar, das entspricht dem Bedarf von etwa 900.000 Haushalten. Zum Vergleich: In ganz Niederösterreich gibt es rund 765.000 Haushalte.
Wie der stellvertretende Landeshauptmann Stephan Pernkopf sagte, sei man vor 20 Jahren fast vollständig auf Energieimporte angewiesen gewesen sei. Heute sei Niederösterreich die Ökostromlokomotive Österreichs. "Wir erzeugen mehr Strom als wir selbst verbrauchen. Das ist eine großartige Entwicklung und ein großer Schritt in Richtung Unabhängigkeit und sauberer Energie. Doch zur Energiewende gehört mehr als Strom, nämlich auch die Wärmewände – sie muss auch in den Heizkellern ankommen. Bereits 63 Prozent der gesamten Raumwärme kommen aus erneuerbaren Quellen, bei Nahwärme kommen drei Viertel aus erneuerbarer Energie.“
Der nächste Schritt sei laut Pernkopf die Tiefengeothermie: „Eine Energiequelle direkt unter unseren Füßen – verlässlich, emissionsfrei und rund um die Uhr verfügbar. Kein anderes Bundesland hat so großes Potenzial. Niederösterreich kann damit Vorbild für Österreich werden. Denn mit der Tiefengeothermie erschließen wir die Wärmequelle der Zukunft und sorgen für mehr Versorgungssicherheit, leisten einen Beitrag für den Klimaschutz und für nachhaltige, regionale Energiezukunft. Und das Geld bleibt im Land.“
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