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Was erwartet die Geothermiebranche in 2011? Interview mit dem 1. Vorsitzenden des Wirtschaftsforums Geothermie e. V. (WFG), Dr. Erwin Knapek

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01/2011

Der WFG-Päsident sieht die EEG-Novelle und den Start eines EGS-Demonstrationsobjekts als wichtigste Projekte in diesem Jahr. Zudem will sich das Wirtschaftsforum Geothermie nach Knapeks Worten dafür einsetzen, dass die Akzeptanz der Geothermie verbessert wird und betont, dass es wichtig sei, „Instrumente der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit verstärkt als wichtige Begleitung bei Vorbereitung und Realisierung neuer Projekte sowie beim Betrieb existierender Anlagen“ anzuwenden. Nach seinen Erwartungen werden in diesem Jahr bis zu vier Kraftwerke realisiert, der Zuwachs an elektrischer Leistung jedoch bei maximal 5 MW liegen. Hier das Interview im Wortlaut:

 

Welche wichtigen Ereignisse/Projekte stehen 2011 für Sie im geothermischen Kalender? Welche Ziele hat sich das WFG für 2011 gesetzt?

Das wohl wichtigste Ereignis sind die vorbereitenden Arbeiten zur Novelle des EEG. Hier ist es unser Ziel, zusammen mit anderen Verbänden und Unternehmen aus dem Bereich der Tiefen Geothermie, die mit der WFG-Studie technisch und ökonomisch fundierten Argumente für eine realistische Anpassung der Vergütungssätze für die Ver-stromung und Wärmenutzung der Tiefen Geothermie den politischen Entscheidungsträ-gern zur Verfügung zu stellen.

Ein weiteres sehr wichtiges Projekt ist die Inangriffnahme eines Demonstrationsvorhabens für die petrothermale Geothermie in Deutschland mit einer elektrischen Leistung von deutlich über 10 MW. Hierzu wird in einem ersten Schritt eine „TAB 2.0 Studie“ erstellt werden, mit der eine Road Map (technisch, geologisch, finanziell) für eine Rea-lisierung – wenn möglich auch Bundesländer übergreifend – erarbeitet wird.

Im Rahmen der Realisierung anstehender Geothermieprojekte ist es für das WFG auch sehr wichtig, die Akzeptanz dieser innovativen und zukunftsfähigen Technik zur Bereit-stellung von CO2-freier Energie in der Öffentlichkeit zu fördern. Dazu streben wir ein Verbundprojekt mit Projektentwicklern und Betreibern sowie Kommunikationswissen-schaftlern an.

Was erwarten Sie von der EEG-Novelle bzw. welche Rahmenbedingungen sind aus Ihrer Sicht für eine erfolgreiche Projektumsetzung notwendig?

Die Grundvergütung für die Verstromung und die finanziellen Rahmenbedingungen für einen mutigen Einstieg (Frühstarter) in diese Technik sowie für deren integrierte Nut-zung für die elektrische und thermische Energieversorgung müssen nach oben korrigiert werden. Dies ergibt sich aus den Ergebnissen der WFG-Studie. Zudem sind einige rechtliche Rahmenbedingungen des Berg -, Wasser- und Baurechts den Erfordernissen der Erstellung von Geothermiekraftwerken anzupassen. Dies gilt insbesondere für entsprechende Sicherheiten zur Finanzierung von Projekten. Auch hierzu wird die WFG-Studie Stellung nehmen und Vorschläge erarbeiten.

Wie ist die aktuelle Einschätzung der tiefen Geothermie im politischen Umfeld? - Gibt es nach wie vor eine Unterstützung der Geothermie in der Politik? Wenn nein, woran liegt es?

Unserer Einschätzung nach ist die Akzeptanz der Tiefen Geothermie im politischen Umfeld hoch. In Gebieten mit bereits funktionierender Geothermienutzung – wie z. B. in der Region München - sogar sehr hoch. Wir können uns aber auf Dauer nicht darauf ausruhen. Deshalb ist es wichtig, dass wir dafür die Instrumente der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit verstärkt als wichtige Begleitung bei Vorbereitung und Realisierung neuer Projekte sowie beim Betrieb existierender Anlagen anwenden und dadurch die Transparenz von Tiefen Geothermie-Projekten erhöhen. Dies schulden wir auch der uns unterstützenden Politik.

Wie viele Projekte werden in 2011 begonnen bzw. umgesetzt? Wie viel MW installierte Leistung erwarten Sie für Ende 2011?

Die Errichtung von Kraftwerken wird auf jeden Fall 2011 von den SWM in Sauerlach und eventuell von der Erdwärme Grünwald in Oberhaching/Laufzorn begonnen. Als weitere Kandidaten stehen zwei Kraftwerke der SGG in Kirchstockach und Dürrnhaar im Raum. Mit der Umsetzung oder erfolgreichen Fortsetzung der Bohrplanungen rechnen wir bei den Projekten in Waldkraiburg, Traunreut, Geretsried, Taufkirchen, Bernried, Kirchweidach und weiterer Projekte in der bayerischen Molasse. Ebenso erwarten wir den Beginn weiterer Realisierungen von Projekten im Oberrhein-graben (BW und RP, Südhessen) wie z. B. Insheim oder Neuried und ein zügiges Fort-schreiten des Projektes GeneSys in Niedersachsen.

Ein weiteres für die gesamte Tiefe Geothermie stimulierendes Projekt, das bereits bezüglich der Öffentlichkeitsarbeit hervorragend gelaufen ist, wird der Start der Geothermie in St. Gallen sein. Eine signifikante Steigerung der elektrischen Leistung in 2011 können wir derzeit nur bei zügiger Realisierung des Kraftwerks der SWM in Sauerlach (ca. 5 MW) erwarten.

Was versprechen Sie sich von Ihrem Strategieworkshop am 18. Januar 2011 in Karlsruhe?

Wir erwarten ein deutliches Zusammenrücken und damit verbundenes Zusammenhalten für einen Ruck nach Vorne aller an der Tiefen Geothermie in Deutschland und in Nachbarländern Beteiligten - egal ob sie einem bestehenden Verband angehören oder nicht. Dies ist nach der schlimmen Wirtschaftskrise, die vielen Geothermieprojekten finanzielle Probleme bereitet hat, besonders auch als Signal an die Politik wichtig.
 

(ag)
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