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Die Bebenmacher

16. März 2007

Die Beben, die im Dezember vergangenen Jahres um Basel und in Südbaden die Erde erzittern ließen, brachten der Geothermie den Ruf ein, zu unnatürlichen Erdbeben zu führen. Doch wie ein Blick in die Statistik zeigt, ist die Geothermie kein Einzelfall. Auch durch Wasserkraft, Gas- und Kohlegewinnung hat der Mensch in den letzten Jahrzehnten weltweit Erdbeben verursacht – teilweise mit katastrophalen Folgen.

Über 200 unnatürliche Beben weltweit hat der Geologe Christian Klose von der Columbia University in New York gezählt.  Diese Liste wird angeführt von den heftigsten vom Menschen verursachten Erdbeben in den 70-er und 80-er Jahren in Usbekistan mit einer Stärke von 7 auf der Richterskala. Als Verursacher gilt die Gasförderung.

Ebenfalls durch Gasgewinnung verursacht wurde ein Beben der Stärke 4,5 im norddeutschen Rotenburg am 20. Oktober 2004. Dies war das bisher stärkste gemessene Erdbeben im nahezu erdbebenfreien Norddeutschland. Der Herd des Bebens wurde genau im Bereich der Erdgasfelder Söhlingen und Rotenburg lokalisiert.

Die häufigste Ursache für unnatürliche Beben ist laut Klose allerdings der Bergbau. Durch die Abtragung riesiger Mengen von Erzen, Salzen oder Kohle entstehen große Hohlräume, die die bereits existierenden Spannungen im Gestein verstärken. 1989 kamen bei einem Erdbeben der Stärke 5,6 in der australischen Stadt Newcastle 13 Menschen ums Leben, 160 wurden verletzt. Der Sachschaden war genau so hoch, wie der Gewinn, den die Kohleminen während ihres 200-jährigen Bestehens eingebracht hatten: 3,5 Milliarden US-Dollar.

Auch in den Steinkohlegebieten in Deutschland sind durch den Bergbau verursachte Beben keine Seltenheit. So zitterte zum Beispiel im Saarländischen Lebach im Februar 2005 zweimal innerhalb von zwei Wochen die Erde, die Beben hatten eine Stärke von 3,3 beziehungsweise 3,4. Ein viel stärkeres Beben wurde 1989 in einem Kalibergwerk der DDR durch zu schwach ausgelegte Stützpfeiler verursacht. Durch das Beben der Stärke 5,6 wurden 80 Prozent der Häuser im benachbarten Völkershausen beschädigt, fast alle historischen Gebäude des Ortes mussten abgerissen werden.

Die Erdkruste steht überall unter Spannung und schon kleine Spannungsänderungen werden weitergetragen und können einige hundert Meter entfernt ein Beben auslösen, erklärt Klose. Deshalb ist es nicht immer leicht, die genaue Ursache der Beben herauszufinden, zumal sich der Erdbebenherd nur auf ein bis zwei Kilometer genau bestimmen lässt. Und nicht alle Rohstoffunternehmen und Energieversorger bekennen sich so offen zu ihrer Verantwortung wie Gerhard Bronder vom Bergwerk Saar: „Erderschütterungen sind bedauerliche, aber leider unvermeidliche Begleiterscheinungen des Bergbaus unter Tage.“

Eines der verheerendsten von Menschenhand ausgelösten Erdbeben ereignete sich am 11. Dezember 1967 im indischen Bundesstaat Maharashtra: 200 Menschen waren dabei ums Leben gekommen. Ausgelöst hatte das Beben mit der Stärke 6,7 die Wasserlast des Koyna-Stausees, durch die eine alte Bruchzone wieder aktiv wurde. Auch in Frankreich und Griechenland gab es in den 60-er Jahren durch Stauseen verursachte Erdbeben mit Stärken von 5,3 und 6,2.

Die Geothermie ist also nicht die einzige Form der Energiegewinnung, für die der Mensch die Erde wackeln lässt. Und verglichen mit den durch Wasserkraft, Kohle- und Gasförderung verursachten Beben, sind die bisher gemessenen Erdstöße, die mit Geothermie in Verbindung gebracht werden, von viel geringerer Stärke. Außerdem besteht bei der Tiefengeothermie nur während der Stimulationsphase, also während Wasser ins Gestein eingepresst wird, die Gefahr von Erdstößen, beim Bergbau dagegen handelt es sich um eine dauerhafte Erdbebengefahr. Dennoch werden durch Geothermie verursachte Erdbeben in der Öffentlichkeit viel heftiger diskutiert als die, die auf den Bergbau zurückzuführen sind, weil sie dort wohl schon längst als unvermeidliche Begleiterscheinung akzeptiert worden sind. (ag)

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