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Vom Umgang mit Risiken

14. August 2013

"Keine Energie ist heil und rein", lautet die Überschrift eines Hintergrundartikels in der Schweizer Wochenzeitung WOZ. Darin beschäftigt sich die Autorin Susan Boos mit kritischen Aspekten der Geothermie – von der harmlosen Geruchsbelästigung über Silikat-Ausfällungen bis hin zu Radionukliden und der Nachhaltigkeit von Erdwärme. Ihr Fazit für die Schweiz: "Praktisch hat man erst wenig Erfahrung. Die bekommt man nur, wenn man etwas riskiert und bohrt."

Immerhin sechs Personen riefen dem Winterthurer Landboten zufolge beim Umweltamt des Schweizer Kantons Thurgau an, um zu fragen, warum es bei Schlattingen nach faulen Eiern stinkt. In dem kleinen Ort bei Schaffhausen nicht unweit der deutschen Grenze findet derzeit ein Langzeit-Pumpversuch statt, nachdem die Bohrungen im Mai abgeschlossen wurden. Mit 60 Grad Celsius heißem Wasser aus etwa 1.200 Meter Tiefe sollen dort Gewächshäuser beheizt werden. Mit dem Thermalwasser gelangte zu Beginn des Pumpversuchs Schwefelwasserstoff an die Oberfläche. Mittlerweile sei der Schwefelgeruch verschwunden, schreibt der Landbote. Denn die Schwefelverbindungen, die das Thermalwasser aus dem Muschelkalk herauslöst, seien inzwischen im Kontakt mit Luft stark verdünnt. Nach Fertigstellung würde aber ohnehin nichts mehr nach Außen gelangen, weil dann das das Thermalwasser in einem geschlossenen System zirkuliert.

Nicht nur unbedenklich, sondern für Menschen unter Umständen sogar nützlich sind die Ausfällungen von Silikaten, die im isländischen Keflavik zur so genannten Blue Lagoon geführt haben. Aus dem Thermalwasser einer Geothermie-Anlage fallen Silikate aus, die das das Vulkangestein verstopfen und so einen See aus Thermalwasser entstehen ließen. Was in der isländischen Einöde den Grundstein für ein riesiges Badeparadies bildete, könnte jedoch andernorts als Umweltproblem wahrgenommen werden, glaubt Susan Boos.

Völlig eindeutig verhält es sich mit Radionukliden, also radioaktiven Partikeln. Jedes Gestein in der Schweiz enthalte Spuren von Uran, Thorium oder Kaliumisotopen, schreibt Boos unter Berufung auf den öffentlich zugänglichen Umweltverträglichkeitsbericht der Geo-Energie Suisse AG, die in der Schweiz mehrere Projekte umsetzen will. Bestimmte Gesteinsformationen seien stärker belastet als andere. Bohre man nun in eine solche Schicht hinein, hole man besonders viele Radionuklide nach oben. Zudem entstünden beim Bohren Schlämme, die radioaktiv belastet sein können.

Für die Bevölkerung stelle das keine Bedrohung dar, solange mit den Schlämmen verantwortungsvoll umgegangen werde, betont Boos. Nur das Personal in einem Geothermie-Kraftwerk müsse aufpassen, "wenn sich in Rohren oder Pumpen Ablagerungen bilden". Im zitierten Umweltverträglichkeitsbericht heißt es dazu weiter: "Strahlenschutzprobleme können dort auftreten, wo sich Radionuklide an Verkrustungen im Leitungssystem oder im Filterschlamm anreichern. Das kann zu erhöhter Strahlung an Arbeitsplätzen führen. Wesentlicher ist aber die Gefahr einer Kontamination beim Umgang mit diesen Ablagerungen, zum Beispiel bei Reparaturen, Reinigungen oder Filterwechseln."

Die isländische Hauptstadt Reykjavik gilt Susan Boos als Beweis dafür, dass Geothermie nicht unerschöpflich ist. Die mit dem im Untergrund zirkulierenden Thermalwasser beheizte Stadt brauche im Winter so viel Wärme, dass das Wasser im Frühsommer merklich abgekühlt sei. In den Sommermonaten könne es sich jeweils wieder erholen. Der Wärmebedarf von Reykjavik dürfe nicht mehr stark zunehmen, sonst müsse sich die Stadt nach zusätzlichen Heizquellen umsehen.

Generell würden Geologen davon ausgehen, dass man einem Reservoir im Durchschnitt dreißig Jahre lang die Wärme entziehen könne, schreibt Boos. Danach dauere es bis zu hundert Jahre, bis dieses Gebiet wieder aufgeheizt sei. Deshalb müsse nach einer gewissen Zeit neu gebohrt werden. (dw)

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