Zukunftsperspektive für die Geothermie in Deutschland

02.02.2022 | Marktentwicklung | Katja Finkenzeller
IEG: Roadmap Tiefe Geothermie in Deutschland

Prof. Rolf Bracke vom Fraunhofer IEG hat heute vor rund 300 Zuhörern einen Masterplan zur Wärmewende in Deutschland vorgestellt. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, welche Rolle die Geothermie in Zukunft im deutschen Energiesystem einnehmen kann.

Bis heute nehmen Öl und Gas noch die übergeordnete Rolle auf dem Energiegewinnungsmarkt ein und führen zu hohen CO2 Emissionen. Die aktuelle Regierungskoalition macht deutlich, dass heimische Energiequellen nutzbar gemacht werden sollen, um eine Einsparung an CO2 zu fördern und sich geopolitisch unabhängiger zu positionieren. Ziel ist es, die Hälfte der kommunalen Wärme bis 2030 aus klimaneutralen Quellen zu gewinnen. Hierbei kann die Tiefe Geothermie einen entscheidenden Beitrag leisten. Sie ist witterungsunabhängig, klimaneutral und belegt wenig Fläche in Siedlungen.

Wie das gehen kann, legt die Roadmap von Forschern aus der Fraunhofer-Energieforschung und der Helmholtz-Gemeinschaft dar. Sie enthält konkrete Schritte und Handlungsempfehlungen für die kommunale Wärmeversorgung, für Industrieprozesse, sowie auch zu technologischen Innovationsprozessen und gesellschaftlicher Akzeptanz. 

Für den Sektor Politik wird vorgeschlagen konkrete Ausbauziele zu formulieren und die Genehmigungsprozesse zu beschleunigen. Weiterhin wäre ein Risikoabsicherungsmechanismus sehr wichtig, um vor allem den Kommunen und Stadtwerken den Zugang zur Tiefen Geothermie zu erleichtern.  

Für den Wärmemarkt sollen Konzepte für die Wärmebereitstellung in Quartieren, Neubauten, Bestandsimmobilien und Industrie ausgearbeitet werden. Darüber hinaus fordern die Forscher die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze deutlich aufzustocken.

Im Bereich der Innovation und Technologie sollen weiterentwickelte Erkundungsmethoden den nutzbaren Untergrund dreidimensional abbilden und innerstädtisch mit kleineren Bohranlagen Reservoire bis zu einer Tiefe von rund 3.000 Metern erschlossen werden.

Die Forscher erwarten einen hohen Bedarf an Fachpersonal, sodass die Kapazität mit Ausbildungsprogrammen weiter auszubauen ist, um weitere Arbeitsplätze zu schaffen. Bis 2030 sollen laut der Studie über 2.000 Dubletten mit einer Leistung à 10 MWh installiert werden. Um die Tiefe Geothermie auch in der Bevölkerung positiv zu etablieren, wird vorgeschlagen Informationskampagnen und Bürgerbeteiligungsmodelle durchzuführen.  

Momentan werden für die Wärmeversorgung in Deutschland 56 Prozent des Endenergiebedarfs benötigt. Um diesen enormen Anteil in den nächsten zwei Jahrzenten zu dekarbonisieren, benötigt es sowohl eine kommunale als auch eine industrielle Wärmewende. Denn zum jetzigen Zeitpunkt werden lediglich 15 Prozent davon regenerativ erzeugt. Für den Transformationsprozess kann die Geothermie eine zentrale Rolle spielen. Sie ist Jahres- und Tageszeitunabhängig, ist grundlastfähig und kann auf Grund des geringen Platzbedarfes auch unter beengten innerstädtischen Verhältnissen errichtet werden.

In der Studie ermittelten die Forscher ein Potenzial von 300 Terrawattstunden für die hydrothermale Geothermie in Deutschland. Mit dieser Energiemenge kann die hydrothermale Geothermie 170 Terrawattstunden für die Fernwärme und 130 Terrawattstunden für die Industrie bereitstellen. Insgesamt lieferten im Jahr 2020 bundesweit 42 Anlagen 359 Megawatt installierte Wärmeleistung und 45 Megawatt elektrische Leistung.

Zur Installation der dafür notwendigen rund 70 Gigawatt-Leistung kommen auf die öffentlichen Haushalte und private Unternehmen in den kommenden 10 Jahren Investitionen in Höhe von 2,0 bis 2,5 Milliarden Euro je Gigawatt installierter Leistung zu. Damit lassen sich aus Sicht der Forscher wettbewerbsfähige Wärmegestehungskosten von unter 30 Euro je Megawattstunde erzielen.

Die Geothermie ist nun an einem Punkt angekommen, an dem sie anwendungsreif und wettbewerbsfähig mit fossilen Energieträgern ist, verdeutlichte Prof. Ingo Sass vom GFZ. Es wurde von allen Sprechern betont, dass für eine langfristige Verankerung der Geothermie in der Bevölkerung die Akzeptanz der Technologie weiter gefördert werden muss.

Quelle:

Fraunhofer IEG
 

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