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Belgische Investoren haben große Pläne für die Entwicklung der Geothermie

18. Juni 2019

Mit Investitionsplänen von bis zu 230 Millionen Euro planen belgische Investoren einen großen Entwicklungsschub für die Geothermie im Bereich der kombinierten Strom- und Wärmeerzeugung. Das Forschungsinstitut VITO hat eigens dazu eine Tochtergesellschaft namens Hita gegründet.

Hita ist isländisch und bedeutet Wärme. In den nächsten zehn Jahren soll das Unternehmen zehn Geothermie-Kraftwerke in einem Gesamtwert von 230 Millionen Euro (260 Mio. USD) gebaut werden, die 400.000 Wohnungen beheizen sollen.

Die geplanten Geothermiekraftwerke werden zusammen eine Gesamtleistung von 600.000 Megawattstunden (MWh) haben. Das reicht aus, um 40.000 Haushalte mit Wärme und weitere 15.000 Haushalte mit Strom zu versorgen. Dadurch werden jährlich 140.000 Tonnen weniger CO2 ausgestoßen.

Die Bohrungen und die erforderliche Infrastruktur erfordern erhebliche Erstinvestitionen von mehreren Millionen Euro und ausreichend Fachwissen. Über dieses Wissen verfügt das VITO seit geraumer Zeit. Seit 2013 forscht das Institut im belgischen Mol im Bereich der Tiefengeothermie. Die dort niedergebrachte Bohrung versorgt das Belgian Nuclear Research Center (SCK), Belgoprocess und VITO mit Energie.

Erste Zahlungen bereits geflossen

Die ersten Millionen sind nun überwiesen. Drei Unternehmer aus Kempen, Vic Swerts vom Silicon-Mastodont Soudal, Jan Tormans vom gleichnamigen Ingenieurbüro und Paul Lauwers vom Tür- und Fensterhersteller Profel, investieren 3,8 Millionen Euro in Hita. Hita wird sich die von VITO gewonnen Erkenntnisse in der Tiefengeothermie zu Nutze machen.

Die Investitionen sind jedoch ausschließlich für Produktionsanlagen (die Pumpen und Riesenwärmetauscher) bestimmt und deckt nicht die Kosten für das auszubauende Fernwärmenetz.

Ist eine Produktionsanlage errichtet versorgt es die Bewohner für 25 bis 30 Jahr mit Energie und das – im Gegensatz zu Erdgas – zu stabilen Preisen. Die geplante Gesamtleistung von 600.000 MWh entspricht dem errechneten Energiebedarf der früheren flämischen Regierung.

"Es liegt an uns, diese finanziellen und technischen Partner zusammenzubringen", sagt Geert De Meyer, CEO von Hita. „Wir werden die technische Machbarkeit jedes Projekts untersuchen, einen Geschäftsplan erstellen, die erforderlichen Genehmigungen einholen, ein Garantiesystem (Versicherung) einrichten, Absprachen mit den lokalen Behörden vereinbaren und uns um nötige Zuschüsse kümmern. Zu Beginn werden wird das Geld für den Bau einer Anlage nicht selbst vorlegen müssen. Wir wollen in Flandern den Sektor der Geothermie aufbauen.“

Belgiens Premiere und ehrgeizigen Ziele

Für Belgien ist die Vermarktung von Tiefengeothermie eine Premiere. Neben dem VITO-Pilotprojekt gibt es bisher nur eine Bohrung, die der Stadt Saint-Ghislain gehört. Außerden plant Janssen Pharma Projekt in Beerse.

Belgiens Nachbarländer sind, was den Tiefengeothermiesektor angeht, bereits deutlich weiter: Ein Teil von Paris wird seit den 1950er Jahren mit Erdwärme beheizt, in Berlin sind 1,2 Millionen Haushalte an ein Fernwärmenetz angeschlossen (wenn auch nicht geothermisch). Die Niederlande hat in den letzten zehn Jahren im eigenen Land das entwickelt und vorangetreiben, was Hita in den nächsten zehn Jahren erreichen will.

„Der große Vorteil der Tiefengeothermie ist, dass sie im Gegensatz zu Sonne und Wind kontinuierlich Energie liefern kann“, sagt De Meyer, der seit 2013 bei VITO an der Materie arbeitet. „Ein Erzeugungsanlage hat eine Laufzeit von bis zu 8.000 Stunden pro Jahr. Damit sollen große Wärmenutzer wie Krankenhäuser, Schulen und Schwimmbäder mit Wärme versorgt werden. Außerhalb der Innenstadt sind auch neu zu errichtende Wohngebiete förderfähig. Diese werden dann gar nicht erst an das Erdgasnetz angeschlossen. Geothermie ist in erster Linie ein Ersatz für die Gasheizung. Stromerzeugung ist ebenfalls möglich, aber dann muss das Wasser heiß genug sein (mindestens 115 Grad Celsius), um eine Turbine anzutreiben."

Kommunen unterstützen das Vorhaben

De Meyer ist optimistisch, ein erste Hita-Anlage in fünf Jahren in der Region Turnhout in Betrieb zu nehmen. „Wir haben gute Karten. Die Stadt aus Tiefengeothermie gewonnene Energie und die dafür nötigen Fernwärmenetze in ihr Strategiepapier aufgenommen. Aus Probebohrungen wissen wir, dass die Grundwasserleiter in der Region groß genug sind. Dies reduziert das Investitionsrisiko. Wir führen auch Gespräche mit der Stadtverwaltung und mit Fluvius, dem Fusionsunternehmen von Eandis und Infrax, das neben Gas und Strom möglicherweise auch Wärmenetze entwickeln möchte. "

Unternehmen investieren mit Privatvermögen

Für die investierenden Unternehmer ist es teils eine langfristige Investition, teils ein soziales Engagement. „Ich habe mich von Anfang an für das Potenzial der Tiefengeothermie interessiert“, sagt Vic Swerts, der 79-jährige Gründer und Eigentümer von Soudal, der 1,3 Millionen Euro persönlich investiert und Vorsitzender von Hita ist. „Kilometerlang in den Kempener Boden bohren und dann heißes Wasser als Energiequelle aufpumpen, regt die Fantasie an. Wir können mit dieser Firma etwas für die Gesellschaft und für Soudal selbst tun. "

Das es sich um Risikokapital handelt, darum will sich De Meyer nicht kümmern. „Es ist nie sicher, ob ein Bohrloch, das ohnehin 5 Millionen Euro kosten wird, die erwartete Temperatur oder den erwarteten Durchfluss liefert. Wir werden in den ersten Jahren keinen Gewinn erzielen, aber sobald ein Kraftwerk vorhanden ist, liefert es 25 bis 30 Jahre Dauerenergie zu einem stabilen Preis. Über Erdgas kann man das nicht sagen.“ (ez)

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