Geothermie Forschungsprojekt in Sachsen wird konkret

01.08.2019 | Erkundung & Analyse
Geothermiebohrung in Bayern

Nach 20-monatiger Laufzeit wurde das Vorprojekt des Forschungsvorhabens "Geothermie im Granit Sachsens" (GIGS) der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe abgeschlossen.

Praxisforum Geothermie.Bayern 2021

Inhalt des Vorprojekts waren unter anderem die fachlichen, bergrechtlichen und administrativen Vorraussetzungen für das Abteufen der geplanten Forschungsbohrung "Silberberg", welche innerhalb des Gebiets der beiden Kommunen Aue-Bad Schlema und Schneeberg in Sachsen liegt. Die Bohrung zielt in circa vier Kilometer auf die Störungszone "Roter Kamm" im kristallinen Grundgebirge ab. Dass das Projekt untertägig sehr gute Voraussetzungen aufweist, zeigte das geologische Volumen-Modell des Untergrunds einer in 2012 durchgeführten 3D-Seismikkampagne.
Insgesamte Laufzeit des Forschungsprojekts soll drei Jahre betragen.

Thermophysikalische Kennwerte

Aufgrund der hohen radiogenen Wärmeproduktion des Granits liegt diese, abhängig von Teufenlage und Position, bei 2,0 μW/m³ bis 11 μW/m³. Die Wärmeleitfähigkeit des Gesteins variiert zwischen 2,8 W/mK und 3,1 W/mK
Prognostizierte Temperaturen in der vertikalen Zieltiefe von circa vier Kilometern liegen im Bereich von 150 °C bis 170 °C.

Geplante Bohrarbeiten

Zunächst wird eine Vor-Bohrung im klassischen Rotary-Verfahren bis zum ersten Durchstoßpunkt der Roten Kamm-Störung gebohrt. Danach soll die circa viereinhalb Kilometer lange und bis zu 90 Grad Neigung abgelenkte Haupt-Bohrung im Hartgestein und Granit des Erzgebirges mit modernsten Bohrverfahren und richtungssteuerbaren Bohrgeräten abgeteuft werden.
Die Bohrungen sowie der folgende Produktionsstest werden mittels bohrtechnischen Messungen stets überwacht und ein Frühwarnsystem für Gasaustritte wird eingerichtet.

Finanzierung und Start des Hauptprojekts

Der Freistaat Sachsen stellt für die Bohrung ein Grundstück einer ehemaligen Polizeischule zur Verfügung und will den Bohrplatz finanzieren. Für das Forschungsprojekt rechnen die Beteiligten mit Kosten von rund 20 Millionen Euro. Die notwendigen Projektmittel will die BGR beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) bis Herbst diesen Jahres beantragen. Gibt es von dort Zustimmung, könnten die Arbeiten Mitte 2020 starten.

Weiterführende Ziele im Hauptprojekt sind die Evaluierung der Interpretation der durchgeführten 3D-Seismik von 2012, der Nachweis zur Thermalwasser-Durchlässigkeit in der Störungszone Roter Kamm und die Erprobung neuer Bohr- und Komplettierungstechniken für den Granit. Im Anschluss werden Beiträge für ein Wirtschaftlichkeitskonzept zur Bewertung des geothermischen Potenzials im Grundgebirge dargelegt-

Projektpartner sind das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) des Freistaates Sachsen sowie mehrere Forschungseinrichtungen (Technische Universität Bergakademie Freiberg (TUBAF), Technische Universität Clausthal, Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) in Hannover, Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf, Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ).

Weiterführende Informationen sind auf der Projektwebseite zu finden.