Millionen Investition für den Geothermie-Ausbau in Pullach

28.04.2022 | Projekte | Katja Finkenzeller
Bohrkopf-Freiham

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, hat am Dienstag der Gemeinderat in Pullach der Investitionserhöhung für den Ausbau des Fernwärmenetzes und des bereits beschlossenen Joint Ventures mit den Stadtwerken München zugestimmt. Selbst frühere Kritiker des Geothermieprojektes befürworten nun den Ausbau.

Der Geschäftsführer der Geothermie-Gesellschaft Innovative Energie für Pullach (IEP) Helmut Mangold hat allen Grund zur Freude, denn am Dienstag hat der Gemeinderat beschlossen, das Eigenkapital der IEP von 12,5 Millionen Euro auf 30 Millionen Euro zu erhöhen. Mit dieser Investitionsentscheidung rückt eine komplette Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern für die Wärmeversorgung in der Gemeinde immer näher.

Noch in diesem Jahr soll das Joint Venture – zwischen der IEP und den Stadtwerken München (SWM) – gegründet werden. In die neue Gesellschaft „Geothermie Isartal GmbH“ werden von beiden Seiten 30 Millionen Euro eingezahlt. Mit dem Eigenkapital soll dann das Fernwärmenetz weiter ausgebaut werden und die drei Bohrdubletten auf dem Claim „Pullach Süd“ auf Baierbrunner Flur finanziert werden.

Laut der SZ erhofft sich Helmut Mangold mit der Realisierung dieses Vorhabens eine Verdreifachung der bisherigen Energieleistung. Mit einer geschätzten Leistung von 77 Megawatt soll zukünftig eine 100-prozentige Deckung der Gemeinde Pullach mit geothermischer Wärme möglich sein. Heute stellt die bestehende Geothermie-Anlage schon knapp die Hälfte des privaten und gewerblichen Wärmebedarfs zur Verfügung, wobei hier nicht die vom Chemiekonzern United Initiators benötigte Prozesswärme mit eingerechnet ist.

Besonders lukrativ für die Umsetzung der neuen Geothermieanlage ist die ansteigende Nachfrage nach geothermischer Wärme aus der Gemeinde und das geringe Fündigkeitsrisiko. Denn im Gegenteil zur ersten Tiefbohrung vor 20 Jahren, ist heute der Untergrund sehr gut erforscht. Auf Grund der 2018 erfolgreich durchgeführten 3D-Seismik-Kampagne ist davon auszugehen, ein sehr ergiebiges Heißwasservorkommen anzutreffen. Die anfänglichen hohen Investitionskosten stehen demnach einem geringen Risiko gegenüber.

Dennoch sei es unabdinglich, sich für die Realisierung von neuen Geothermieprojekten auf die staatliche Unterstützung im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) sowie behördliche Genehmigungen stützen zu können. Diese Meinung vertritt der Geschäftsführer der IEP. So soll er der SZ am Mittwoch verdeutlicht haben, dass es „ohne Förderung bundesweit keine neuen Geothermieprojekte geben wird, mit Förderung dagegen viele“.

Angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine ist eine ökologische Energieversorgung unverzichtbarer Bestandteil der nationalen Sicherheit. Hinter dieser Aussage von Herrn Mangold stehen offensichtlich auch die Bürgerinnen und Bürger aus Pullach, denn der Andrang sich an die Geothermie anzuschließen ist förmlich explodiert. So sollen dieses Jahr noch 100 Gebäude an die Fernwärme angeschlossen werden. Für das Jahr 2023 stehen schon weitere 200 Namen auf der Warteliste. Um dies zu ermöglich, ist ein rascher Ausbau des bestehenden Fernwärmenetzes notwendig. Heute umfasst dieses rund 50 Kilometer und versorgt 1.119 Gebäude mit einer Anschlussleistung von 30 Megawatt. Bis 2027 soll die Trasse auf 60 Kilometer ausgebaut, weitere 522 Bauten angeschlossen und mit 59 Megawatt versorgt werden.

Herr Johannes Schuster (Wir in Pullach) vertritt laut der SZ die Meinung, dass es nun Zeit ist, in größeren Maßstäben zu denken, Gemeindegrenzen zu überwinden und nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die geopolitische Unabhängigkeit einzutreten. Das gesteht sich nun auch Herr Alexander Betz (FDP) gegenüber der SZ ein, der bislang die Meinung vertrat, dass es nicht die Aufgabe der Gemeinde Pullach sei, für die Wärmeversorgung der Stadt München in Baierbrunn zu bohren. Die steigenden Energiepreise und das Gesamtkonzept zur primären Versorgung der Gemeinde Pullach stimmten ihn jedoch um. So überzeugt die enorme Nachfrage aus der Gemeinde und die Entwicklung seit dem 24. Februar selbst die Kritiker des Geothermie-Vorhabens.

Die Möglichkeit geothermische Wärme zu nutzen, sei „der größte Schatz, auf dem wir in Bayern sitzen“ zitiert die SZ Herrn Sebastian Westenhanner (CSU) und auch Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund von den Grünen sprach laut der SZ von einer „historischen Entscheidung für ein bahnbrechendes Projekt zur Daseinsfürsorge“. Der Applaus, der auf die einstimmige Abstimmung am Dienstag folgte, zeigt die Entschlossenheit der Gemeinde Pullach, gemeinsam die Energiewende weiter voranzutreiben.

Quelle:

SZ

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