Pullach

Projektgebiet:
Heizzentrale Pullach
Status
in Betrieb
TH 1 in m (MD)
3.550, Sidetrack auf 3.930
TH 2 in m (MD)
4.120
TH 3 in m (MD)
3.984
Nutzungsart
Hydrothermal, Triplette
Temperatur in °C
104-107
Förderrate in L/s
71
Zielnutzhorizont
Malm
Installierte thermische Leistung in MW
15

Kontakt

Innovative Energie für Pullach GmbH 
Jaiserstraße 5
82049 Pullach im Isartal
Telefon: (089) 2778 116-0
E-Mail: info [at] iep-pullach.de
 

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Das Geothermie-Kraftwerk in Pullach im Isartal gehört zu den Pionierprojekten der geothermischen Wärmeversorgung im Großraum München. Als Dublette geplant und zunächst auch so betrieben, erweiterte der Betreiber Innovative Energie für Pullach (IEP) wegen steigender Nachfrage das Projekt im Jahr 2011 um eine dritte Bohrung, die heute als Injektionsbohrung genutzt wird. Die Bohrung Th2 wurde zur Förderbohrung umgewandelt.

Bereits 2001 begann die Gemeinde Pullach mit dem Vorstoß in die geothermische Wärmeversorgung. Eine geologische Machbarkeitsstudie zur Reservoirerschließung bestätigte das Vorhaben. Das Bergamt Südbayern erteilte noch im selben Jahr die Erlaubnis zur Aufsuchung von Erdwärme. Nach dem Reprocessing von Alt-Seismikdaten der Kohlenwasserstoffindustrie, einer Detailauswertung und anschließender Risikobewertung begannen drei Jahre später - 2004 - die Bohrarbeiten.

Abgeteuft wurden zwei abgelenkte Tiefbohrungen, deren Ansatzpunkte an der Oberfläche nur 7,5 Meter voneinander entfernt liegen. Begonnen wurde im Dezember 2004 mit der Bohrung Th1, die nach 42 Tagen, im Januar 2005, ihre Endteufe auf 3.550 Metern (MD) erreichte. Pumptests der Th1 ergaben Tiefenwassertemperaturen von 98 Grad Celsius. Die zweite Bohrung Th2 wurde im Frühjahr 2005 bis auf 4.120 Meter (MD) Endteufe niedergebracht. Auch hier lautete das Ergebnis „fündig“ mit 45 Litern pro Sekunde und 107 Grad Celsius Wassertemperatur. Die anschließenden Zirkulationsversuche fielen jedoch unbefriedigend aus. 

Als eine Bohrlochvertiefung nichts am Schluckverhalten der Th1 änderte, wurde in 2.814 Metern Tiefe (MD) ein Sidetrack bis auf 3.930 Meter (MD) abgeteuft. Die Spülungsverluste lagen aber noch nicht im erwarteten Bereich. Daher wurde die Th1 zur Förderbohrung und die Th2 mit den höheren Temperaturen zur Injektionsbohrung. Nach dem Pumpeneinbau im November 2005 ging die Pullacher Geothermie-Anlage ans Fernwärmenetz. Die Bohrkosten inklusive Sidetrack betrugen neun Millionen Euro.

Durch die steigende Nachfrage nach geothermischer Fernwärme bei gleichzeitiger Vollauslastung und der ungenügenden Wasseraufnahme der Injektionsbohrung entschloss sich die IEP dazu, als erstes Projekt in Deutschland den in Betrieb befindlichen Bestand um ein drittes Bohrloch zu erweitern. Die Bohrarbeiten begannen im Januar 2011 und erreichten nach 56 Tagen die Endteufe von 3.984 Metern (MD). Aufgrund der geringen Enddurchmesser von fünf und fünfeinhalb Zoll der Th1 und Th2 wurde die dritte Bohrung Th3 mit sieben Zoll Enddurchmesser ausgebaut. 

Der Pumpversuch bestätigte eine Schüttung von 80 Litern pro Sekunde bei Wassertemperaturen von knapp 111 Grad Celsius. Das hatte Neukonfiguration der Triplette zur Folge. Die Th3 wurde aufgrund des größeren Durchmessers zur Injektionsbohrung, die beiden Altbohrungen mit den geringeren Durchmessern zur Förderbohrung. Seit 2012 wird Pullach mit einer Triplette betrieben.

Nach der abgeschlossenen Erweiterung der Energiezentrale Nord im Jahr 2024 wird bei der IEP seit dem Jahr 2025 das Geothermie-Projekt "Pullach Süd" realisiert. Mit einer weiteren Triplette strebt Pullach die erneuerbare Vollversorgung auf dem Wärmesektor an. Auf der Fläche der dritten Bohrung für die bestehende Anlage entsteht der neue Bohrplatz, um dann erneut drei Mal rund 3.500 Meter in die Tiefe zu bohren. Die Bohrungen beginnen voraussichtlich Anfang 2026.

2018 wurde Pullach beim Praxisforum Geothermie Bayern als "Goldenes Heizwerk 2017" mit dem Geothermischen Energiepreis Bayern ausgezeichnet.

Anzahl der Bohrungen
3