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Positive Aussichten für Geothermie in Weinheim

30. September 2010

Die Stadt Weinheim hofft nach positiven Vorstudien die Nutzung von tiefer Geothermie voran treiben zu können.

Das Gebiet um Weinheim (Baden-Württemberg) wird zu den geothermisch interessanten Regionen in Deutschland gezählt. Die geothermische Anomalie liegt hier deutlich höher als die drei Grad pro 100 Meter. Bereits heute wird das Freizeitbad Mirarmar mit Thermalwasser aus 1.150 Metern beheizt. Die geförderte Temperatur liegt bei 65 Grad. Dies führte zu der Überlegung, die Energie der Erde noch intensiver zu nutzen. Nach Gesprächen mit Experten wurde das Erlaubnisfeld Weinheim beantragt.

Inhaber des Erlaubnisfeldes und der Berechtigung ist die Stadt Weinheim, damit handelt es sich um ein städtisches Projekt. Dr. Jochen Bauer ist Mitinitiator des Projektes und freier Berater der Stadt Weinheim in Fragen der Geothermie. Wie er gegenüber dem Informationsportal Tiefe Geothermie bestätigte, geht man in Weinheim zwischen 3.000 bis 3.500 Meter von 160 Grad Celsius Wassertemperatur aus. Je nach Modell werden Schüttungsraten von bis zu 60 L/s erwartet.

Bereits 2007 wurde eine geologische Vorstudie des geologischen Landesamtes  (LGRB) in Freiburg durchgeführt. Sie sieht als Zielhorizont das tiefe Tertiär, den Buntsandstein oder das Kristallin vor. 2009 erfolgte eine zweite Studie der 360plus Consult GmbH aus Karlsruhe. Sie beinhaltet eine geologische Prospektion und geothermische Bewertung des Erlaubnisfeldes Weinheim. Hier wird als Formation geklüfteter, wasserführender Buntsandstein und geklüftetes Kristallin erwartet.

Eine dritte Studie wurde jetzt von der Stadt Weinheim in Auftrag gegeben. 360plus Consult soll vorhandene Altseismiklinien der Kohlenwasserstoffindustrie aus den 80er und 90er Jahren neu auswerten. Dieses Reprocessing soll Ende des Jahres beendet sein und eine Zielgebietsdefinition aus hydrogeologischer Sicht feststellen.
Vom Ergebnis der Auswertung hängt ab, ob eine 3D-Seismik im Zielgebiet durchgeführt wird. Die Kosten für die 3D-Seismik inklusive Auswertung belaufen sich auf rund eine Million Euro, sie könnte bereits Anfang 2011 durchgeführt werden. Sondierungsgespräche mit möglichen Partnern laufen bereits.

Die hydrogeothermale Erdwärme soll mittels einer Dublette erschlossen werden. Das Projektziel ist eine Kraftwärmekopplungsanlage mit Strom, Wärme und Kälte. Mit einer installierten elektrischen Leistung von 2,8 MW soll die Jahresstromproduktion bei circa 21.000 MWh liegen. Ein Wärmemodell geht von 23,8 MW thermischer Leistung aus. Die Bruttogesamt-Jahreswärmeproduktion wird mit circa 180.000 MWh angenommen. Rechnerisch reicht die Energie aus, um 5.000 Haushalte mit Strom zu versorgen und 15.000 Haushalte mit Wärme beliefern zu können. Eine Wärmenetzgröße ist nach Aussagen von Dr. Jochen Bauer bisher nicht geplant. Hierfür müsse erst noch eine Machbarkeitsstudie erstellt werden. (va)

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