Ergebnisse der Produktionstests in St. Gallen veröffentlicht

13.02.2014 | Projekte | Jochen Schneider
Geothermiebohrung in Bayern

Die Produktionstests ergaben Förderraten von durchschnittlich sechs Liter Thermalwasser pro Sekunde. Die Stadt St. Gallen will jetzt bis Mitte des Jahres Nutzungskonzepte prüfen, wie es in einer heute veröffentlichten Medienmitteilung heißt.

Die Produktionstests im Oktober 2013 haben wichtige Daten über die Wasser- und Gasführung im erschlossenen Malmkalk geliefert. Es wurden ein Freifördertest, zwei Säuerungen und vier Produktionstests realisiert. Nach Abschluss der Tests wurde das Bohrloch konserviert.

Ergebnisse des Produktionstests

Mit den Produktionstests konnte eine Wasserführung im erschlossenen Malmkalk nachgewiesen werden. Die Wasserförderrate ist jedoch nicht so hoch, wie ursprünglich angestrebt. Unter den gewählten Testbedingungen wurde eine nahezu kontinuierliche Wasserförderrate von rund 5,9 Liter pro Sekunde mit Spitzen von bis zu zwölf Liter pro Sekunde erreicht. Die erhofften und prognostizierten hohen Temperaturen in über 4.000 Meter Tiefe wurden mit über 145 Grad Celsius leicht übertroffen. Die Mineralsiation des erschroteten Tiefengrundwassers liegt bei 20 Gramm pro Liter Thermalwasser.

Erkenntnisse zur Gasführung

Die Gaszutritte fanden kurzfristig mit Raten von über 5.000 Normkubikmeter pro Stunde statt. Das entspricht dem stündlichen Gasverbrauch in der Stadt St. Gallen an einem durchschnittlichen Herbsttag. Die Grösse des erschlossenen Gasvolumens lässt sich auf Basis der verfügbaren Daten allerdings nur schwer abschätzen.

Fazit

Die geringe Wasserförderrate sowie die Gasführung stellen die ursprünglich vorgesehene Erschliessung des Malmkalks und das geplante Betriebskonzept in Frage. Das tendenziell erhöhte seismische Risiko an der Bohrlochlokalität wirkt sich zudem erschwerend aus. Aufgrund der aktuellen Datenlage ist eine allfällige Nutzung des Erdgasvorkommens abklärungswürdig.

Alternativen zur Erschliessung

Die bestehende Tiefbohrung kann grundsätzlich als Produktionsbohrung genutzt werden. Drei alternative Betriebs- und Erschliessungskonzepte werden nun geprüft:

  1. Gas- und Wasserproduktion über Dubletten-Erschliessung; Energienutzung über zwei Tiefbohrungen (Produktions- und Injektionsbohrung) mit Anpassungen zum ursprünglich vorgesehenen Konzept.
  2. Gas- und Wasserproduktion über Singletten-Erschliessung; Energienutzung von Gas und Begleitwasser über die bestehende Tiefbohrung «St.Gallen GT-1» (nur Produktionsbohrung, keine zweite Tiefbohrung).
  3. Geothermische Nutzung über eine Tiefe-Erdwärmesonde; Energienutzung über Einbau einer Tiefe-Erdwärmesonde in der bestehenden Tiefbohrung «St.Gallen GT-1» ohne Nutzung von Thermalwasser und/oder Gas.

Abschließend heißt es in der Medienmitteilung, dass bis Mitte 2014 die Projektverantwortlichen neben der technischen Machbarkeit auch finanzielle, politische, rechtliche und behördliche Rahmenbedingungen klären wollen. Dazu gehört auch die Prüfung der zugesprochenen «Risikoabsicherung» des Bundes bei unzureichender Fündigkeit. Sie beträgt 50% der anrechenbaren Bohr- und Testkosten oder maximal 24 Millionen Schweizer Franken. Die bisher aufgelaufenen Investitionskosten im Teilprojekt Geothermie betragen rund 43,8 Millionen Schweizer Franken.

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