Infoveranstaltung zur Geothermie im Rhein-Neckar-Gebiet

25.05.2021 | Erkundung & Analyse | Karin Jehle

Mit einer virtuellen Informationsveranstaltung wendeten sich die EnBW AG und die MVV Energie AG an die Bürger*innen. Im Aufsuchungsfeld „Hardt“ zwischen Mannheim und Heidelberg wollen sie nach Erdwärme suchen, um die Fernwärmeversorgung in der Region zu dekarbonisieren. 150 Teilnehmer*innen waren zugeschaltet.

Noch ist die Fernwärme im Rhein-Neckar-Gebiet ziemlich schmutzig – wird sie doch größtenteils vom kohlebetriebenen Großkraftwerk Mannheim gespeist. Dies muss sich ändern, denn allerspätestens 2034 muss der Kohlemeiler vom Netz gehen. Insofern müssen sich die Energieversorger aus der Region mit Alternativen befassen, um den Wärmebedarf der Bürger*innen in Zukunft klimafreundlich zu decken.

Eine Option ist dabei die tiefe Geothermie, die im Oberrheingraben ein sehr großes Potenzial hat. Mit der EnBW und der MVV haben sich die beiden großen Player in der Region zusammengetan und erkunden nun, wo sie das Potenzial bestmöglich erschließen können. Nach Angaben der Rhein-Neckar-Zeitung planen die beiden Unternehmen zwischen Mannheim, Heidelberg und Reilingen bis zu drei Heizwerke zu errichten.

120.000 Haushalte in der Region hängen an der Fernwärmeversorgung. Ein erster Schritt der MVV, um diese umweltfreundlicher zu gestalten, ist die Einbindung von Abwärme aus der thermischen Abfallverwertung auf der Friesenheimer Insel. Ein Biomassekraftwerk soll folgen. „Wir stehen vor der Mammutaufgabe, das Steinkohlekraftwerk in Mannheim zu ersetzen und das wahrscheinlich sogar recht schnell“, zitiert der SWR Projektleiter Matthias Wolf von der MVV. Man müsse nun zwingend alle vorhandenen Technologie-Optionen prüfen. Die Tiefengeothermie sei dabei die einzige erneuerbare Wärmeoption, die das ganze Jahr über liefern könne.

Transparent informieren – Akzeptanz schaffen

Doch gegenüber der Tiefengeothermie bestehen immer noch Vorbehalte und Ängste. Im ebenfalls im Oberrheingraben gelegenen Brühl scheiterte ein Geothermieprojekt an der mangelnden Akzeptanz. Daher treten EnBW und MVV mit einer frühen und transparenten Öffentlichkeitsbeteiligung aktiv in den Dialog mit der Bevölkerung ein.

150 Teilnehmer*innen waren bei der virtuellen Auftaktveranstaltung zugeschaltet und konnten nach einem Input durch Dr. Thomas Kölbel und Stefan Ertle von der EnBW sowie Mattias Wolf von der MVV ihre Fragen stellen. Und die gab es reichlich bei der zweistündigen Videokonferenz. Die Befürchtungen betrafen vor allem die Bohrtechnologie, den Grundwasserschutz, mögliche seismische Ereignisse und die Haftung bei eventuellen Gebäudeschäden.

Die Experten der beiden Unternehmen antworteten ausführlich. So erklärte Matthias Wolf laut der Rhein-Neckar-Zeitung: „Wir sagen nicht, dass es keine Risiken gibt – aber diese Risiken sind beherrschbar.“ Um Akzeptanz für das Projekt zu erreichen sind in den kommenden Monaten weitere Informationsveranstaltungen, Dialogforen und ein Fachbeirat geplant. In letzterem können sich Vertreter*innen von Bürgerinitiativen beteiligen.

18 Monate für Voruntersuchungen

Zudem legten die Projektverantwortlichen das weitere Vorgehen dar. In den nächsten 18 Monaten werde es geologische Voruntersuchungen geben, um durch Messungen und Auswertungen potenziell geeignete Standorte zu finden. Anhand der Daten könne man dann erste Modelle erstellen, um letztendlich den idealen Standort zu ermitteln.

Um die Erdwärmequellen dann mittels Tiefenbohrungen erschließen zu können, sind weitere umfängliche Genehmigungsverfahren notwendig. Anschließend könne dann ein Heizwerk geplant und errichtet sowie die Anlage an das Fernwärmenetz angeschlossen werden. „Wir werden nicht vor 2023 bohren“, betonte EnBW-Projektleiter Ertle laut Rhein-Neckar-Zeitung. Die erste Geothermie-Anlage könne dann im dritten Quartal 2023 fertig sein.

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