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München: Fernwärme für die Stadt

22. Juli 2016

Mit der Geothermieanlage Schäftlarnstraße setzen die Stadtwerke München (SWM) erstmals ein rein innerstädtisches Projekt um. Im Jahr 2019 soll die Anlage Fernwärme und –kälte aus dem städtischen Untergrund an die Innenstadt und die Stadtteile Sendling und Perlach liefern.

Nach Freiham wird die Geothermie-Anlage an der Schäftlarnstraße (wir berichteten) das zweite Projekt sein, das die SWM im Rahmen der „SWM Fernwärme-Vision 2040“ umsetzen werden. Auf dem Gelände des Heizkraftwerks Süd in München-Untergiesing soll eine Doppeldublette entstehen, mit zwei Förder- und zwei Injektionsbohrungen. Diese werden alle von einem Sammelbohrplatz aus abgeteuft und haben eine voraussichtliche Länge zwischen 3.700 und 4.300 Meter. Die erwartete Thermalwassertemperatur liegt laut SWM bei rund 95 Grad Celsius. Bis zu 30 Megawatt könnte die Anlage in die Netze der Münchener Innenstadt, Sendling und Perlach einspeisen.

Mit den vorbereitenden Arbeiten wird bereits diesen Sommer begonnen. Erst muss das Baufeld für die Geothermie-Anlage geräumt und die alten, für den Kraftwerksbetrieb nicht mehr benötigten Öltanks rückgebaut werden. Die Tanks selbst werden erst im Frühjahr 2017 abgerissen. Im Herbst des gleichen Jahres wird der Bohrplatz vorbereitet, damit Anfang 2018 die Bohrungen starten können. Im Jahr 2019 soll die Anlage in Betrieb gehen.

Für den Betrieb wird das Thermalwasser aus den Förderbohrungen über Leitungen zum Wärmetauscher geführt. Dort gibt es aber nur einen Teil seiner Wärme an die Fernwärmenetze ab, bevor es über die Injektionsbohrungen wieder dem natürlichen Kreislauf zugeführt wird. Für eine effizientere und flexiblere Nutzung der Anlagenparks, wollen die SWM am Energie-Standort HKW Süd einen Wärmespeicher errichten. Die genaue Größe und die Leistung des Speichers stehen noch nicht fest. Als besonderer Bonus ist die Installation einer zusätzlichen Fernkälteanlage geplant. Sie bezieht die nötige Energie unter anderem aus dem Werkkanal. Damit soll zunächst das Gebiet der Großmarkthallen mit effizient und umweltschonend erzeugter Fernkälte versorgen werden.

Erstmals werden auf einem Gelände in einer deutschen Großstadt vier Tiefbohrungen zur Förderung erneuerbarer Energien über mehrere tausend Meter abgeteuft. Mit diesem Projekt haben sich die SWM große Ziele gesetzt, denn die Realisierung braucht eine andere Logistik und viel bohrtechnische Erfahrung. Auf die können die SWM seit vielen Jahren zurückblicken. (sv)

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