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Bereits im November 2005 wurden die Bergrechte zur Aufsuchung von Erdwärme für das Feld „Sauerlach“ vom Unternehmen Aufwind Schmack an die Stadtwerke München übertragen. In den ursprünglichen Planungen der Stadtwerke München waren - ein Novum in Deutschland - vier Bohrungen vorgesehen. Davon wurden wurden letztlich aber nur drei Bohrungen verwirklicht. Diese haben vertikale Tiefe von bis zu 4.480 Metern und die Bohrung TH3 war mit einer Länge von 5.567 Metern seinerzeit die längste Geothermiebohrung in Deutschland.
Begonnen hatten die Bohrungen hatten im Oktober 2007. Abgeschlossen wurden sie im August 2009 mit dem Pumpversuch an der dritten Bohrung. Nach dem Abteufen der ersten beiden Bohrungen nach Planung wurde das Ziel für die dritte Bohrung neu justiert. Der Grund war ein vielversprechendes strukturgeologisches Ziel, das bei einer 2D-Seismikampagne im Juni 2008 entdeckt wurde.
Die Bohrdauer von fast zwei Jahren war vor allem auf verschiedene technische Herausforderungen zurückzuführen. In der abschließenden Pressemeldung der SWM zu den Bohrungen wurden folgende Probleme aufgeführt:
- Es kam unter anderem zu starken Bohrvibrationen, Verklemmungen des Bohrstranges und einem unerwartet hohen Meißelverschleiß.
- Im Bereich des Bändermergels, in einer Tiefe von rund 3.500 Metern, stieß man auf sehr brüchiges Gestein, welches immer wieder ins Bohrloch nachrutschte. Diese Bohrlochinstabilitäten führten beim Einbau der Stahlrohre partiell zu Schwierigkeiten, die nur durch ein Nachbohren der betroffenen Zonen gelöst werden konnten.
- Es gab Probleme bei den Zementationsarbeiten zur Befestigung der Rohre im Bohrloch, so dass hier mehrfach nachzementiert werden musste.
- Für die Bohrung TH1 musste auf Grund von Instabiltäten im Bohrloch ein Sidetrack gebohrt werden, für die TH3 waren sogar zwei Sidetracks notwendig.
Dies hatte zwar eine Kostensteigerung, aber keine Steigerung der Ergiebigkeit zur Folge. Diese blieb hinter den Erwartungen zurück, ist aber dennoch ausreichend für den Betrieb eines Kraftwerks. Die hohen Temperaturen sorgten hingegen für Zufriedenheit bei den Stadtwerken.
2014 ging in Sauerlach das Kraftwerk von Turboden in den Regelbetrieb, es erzeugt Strom für rund 16.000 Haushalte. Außer Strom wird auch Wärme für das Fernwärmenetz in Sauerlach ausgekoppelt.
Für die hervorragende Performance der Anlage erhielt Sauerlach beim Praxisforum Geothermie Bayern 2018 die Auszeichnung "Goldenes Kraftwerk 2017". Dieser Erfolg wiederholte sich beim Praxisforum Geothermie Bayern 2025 mit der Auszeichnung "Goldenes Kraftwerk 2024". Nicht zuletzt dank der Geothermie-Anlage gehört Sauerlach zu den wenigen Gemeinden, die auf ihrem Gebiet mehr Wärme und Strom regenerativ erzeugen als insgesamt verbraucht wird.
2023 wurden die Pläne der Stadtwerke München bekannt, eine zweite Geothermie-Anlage in Sauerlach zu bauen, die 6.000 weitere Fernwärmeanschlüsse in Sauerlach ermöglichen und darüber hinaus 100.000 Münchner Haushalte versorgen soll. Hierfür ist eine 25 Kilometer lange Fernwärmetransportleitung von Sauerlach bis München-Perlach geplant. Ab 2028 soll mit dem Bau der drei Dubletten begonnen werden, die eine Einspeiseleistung von 120 Megawatt haben soll. Im Rahmen des Ausbaus können auch die Gemeinden Hofolding und Brunnthal an die Fernwärmeversorgung angeschlossen werden.