Unterföhring

Projektgebiet:
Wärmezentrale Unterföhring I (2013/Enerchange)
Status
in Betrieb
TH 1 in m (MD)
2.124
TH 2 in m (MD)
2.578
TH 3 in m (MD)
2.341
TH 4 in m (MD)
2.053
Nutzungsart
Hydrothermal, 2 Dubletten
Temperatur in °C
87 bzw. 93
Förderrate in L/s
75 bzw. 90
Mineralisation in mg/L
700
Zielnutzhorizont
Malmkarst
Installierte thermische Leistung in MW
22

Kontakt

GEOVOL Unterföhring GmbH
Etzweg 10
85774 Unterföhring
Telefon: (089) 969 98 41 - 0
Telefax: (089) 969 98 41 - 40
E-Mail: service [at] geovol.de

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Die Besonderheit des Geothermie-Projekts in Unterföhring (Landkreis München) ist die bereits 2016 realisierte Erweiterung um eine zweite Dublette. Erstmals in Deutschland wurde hier eine bereits bestehende Geothermie-Anlage um zwei neue Bohrungen und eine zweite Energiezentrale erweitert.

Die Betreiberin des Geothermie-Projekts ist die GEOVOL Unterföhring GmbH, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Gemeinde Unterföhring. Das Unternehmen wurde im September 2007 gegründet.

Nachdem sich die Gemeinde Unterföhring im Frühling 2005 die Bergrechte gesichert hatte, um die tiefe Geothermie zur heimischen Wärmeversorgung zu nutzen, erfolgte drei Monate später die Erlaubnis zur Aufsuchung. 

Mit dem Niederbringen der ersten Bohrung TH1 wurde im November 2008 begonnen. Nach 80 Tagen erreichte sie eine Endteufe von 3.042 Metern (MD) bzw. 2.512 Metern (TVD). Beim anschließenden Pumpversuch konnte eine dauerhaft erzielbare Temperatur von 86 Grad Celsius und eine Schüttung von mindestens 50 Litern pro Sekunde ermittelt werden. Da die Leistung der eingesetzten Pumpe auf 50 Liter pro Sekunde begrenzt war, wurde von einer deutlich größeren Schüttung ausgegangen. Dennoch wurden die Erwartungen von mindestens 80 Grad Celsius und 35 Litern pro Sekunde weit übertroffen. 

Die zweite Bohrung TH2 wurde ab Mitte März 2009 abgeteuft. Sie erreichte ihr Ziel am 5. Mai 2009 bei einer Teufe von 2.578 Metern (MD) bzw. 2.124 Metern (TVD). Nach dem Abschluss der Fördertests und Pumpversuchen an beiden Bohrungen mit einer leistungsstärkeren Pumpe wurde für das Tiefengrundwasser eine Temperatur von 87 Grad Celsius und eine Förderrate von mindestens 75 Litern pro Sekunde ermittelt. 

Aufgrund der etwas besseren Ergebnisse der zweiten Bohrung wird diese als Förderbohrung verwendet. Die erste Bohrung dient somit als Reinjektionsbohrung. Beide Bohrungen wurden vom selben Bohrplatz abgeteuft - etwa sieben Meter voneinander entfernt. Mithilfe der Richtbohrtechnik wurde die erste Bohrung nach Nordwest und die zweite nach Südwest abgelenkt, so dass sie untertage mit ihren Endpunkten über zwei Kilometer weit auseinander liegen. 

Schon vor dem Bohrstart im Juni 2008 wurden bereits 90 Prozent der theoretisch verkaufbaren Wärmeleistung vertraglich abgesichert. Das entsprach einer Anschlussleistung von 4,5 Megawatt. Mit der planmäßigen Fertigstellung der Geothermie-Heizzentrale, die 1,6 Millionen Euro kostete, konnten ab dem 3. Dezember 2009 die ersten 1.200 Wohneinheiten mit geothermischer Wärme versorgt werden. Ende 2012 wurde das Fernwärmenetz mit einer anfänglichen Gesamtlänge von 20 Kilometern fertiggestellt.

Aufgrund der hohen Akzeptanz des Projekts und der großen Nachfrage nach geothermischer Wärme trieb die GEOVOL Unterföhring GmbH ab 2014 eine Verdopplung der geothermischen Leistung durch eine weitere hydrothermale Dublette voran. Im Frühjahr 2014 wurden die beiden Bohrungen von einem Bohrplatz direkt neben der bestehenden Energiezentrale erfolgreich niedergebracht. Schüttung und Temperatur der Förderbohrung haben die Erwartungen übertroffen. Baubeginn für die zweite Energiezentrale war im Herbst 2014.

Im Februar 2016 wurde die zweite geothermische Energiezentrale feierlich in Betrieb genommen. Mit ihr konnte die geothermische Wärmeleistung der Anlage von vormals 10 auf 22 Megawatt gesteigert werden.

In der neuen Energiezentrale sind neben dem Geothermie- und Netzpumpenraum auch die Anlagen zur Netzdruckhaltung und Filterung sowie zwei große Blockheizkraftwerke mit je 600 Kilowatt Leistung untergebracht. Dadurch kann GEOVOL einen Großteil des für die Tiefpumpen verbrauchten Stroms selbst erzeugen. Auch die Raumkühlung ist selbstgemacht: Dank der Adsorbtionsmaschinen wird mit der gewonnen Erdwärme auch Kälte zur Raumklimatisierung produziert.

Inzwischen sind rund 4.000 Haushalte, knapp 80 gewerbliche Abnehmer und 30 kommunale Liegenschaften angeschlossen. Damit werden rund 75 Prozent aller Gebäude in Unterföhring mit tiefengeothermischer Wärme versorgt. Für die beiden Dubletten, den Bau der beiden Energiezentralen sowie die Verlegung des inzwischen rund 40 Kilometer langen Fernwärmenetzes wurden insgesamt knapp 120 Millionen Euro aufgewendet.

Anzahl der Bohrungen
4