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Unterföhring

Heizwerk in Unterföhring
Foto: Enerchange
Erste Bohrungen in Unterföhring
Foto: Enerchange
Status: 
in Betrieb
TH 1 in m (MD): 
2.124
TH 2 in m (MD): 
2.578
TH 3 in m (MD): 
2.341
TH 4 in m (MD): 
2.053
Nutzungsart: 
Hydrothermal, Dublette
Temperatur in °C: 
87 bzw. 93
Förderrate in L/s: 
75 bzw. 90
Mineralisation in mg/L: 
700
Zielnutzhorizont: 
Malmkarst
Installierte thermische Leistung in MW: 
10 bzw. 11,3

Nachdem sich die Gemeinde Unterföhring im Frühling 2005 die Bergrechte sicherte, um die Tiefe Geothermie zur heimischen Wärmeversorgung zu nutzen, erfolgte drei Monate später die Erlaubnis zur Aufsuchung. Mit den positiven Ergebnissen aus der 2D-vibroseismischen Voruntersuchung im November 2006 begann der Startschuss für das heute sehr erfolgreiche Geothermie-Projekt. 

Betreiber des Geothermie-Projekts ist die GEOVOL Unterföhring GmbH, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Gemeinde Unterföhring. Das Unternehmen wurde am 3. September 2007 gegründet.

Mit der Niederbringung der ersten Bohrung TH1 wurde im November 2008 begonnen. Nach 80 Tagen erreichte sie eine Endteufe von 3.042 Meter (MD) bzw. 2.512 Meter (TVD). Mithilfe des anschließenden Pumpversuches konnte eine dauerhaft erzielbare Temperatur von 86 Grad Celsius und eine Schüttung von mindestens 50 Liter pro Sekunde ermittelt werden. Da die Leistung der eingesetzten Pumpe auf 50 Liter pro Sekunde begrenzt war, wurde von einer deutlich größeren Schüttung ausgegangen. Dennoch wurden die Erwartungen von mindestens 80 Grad Celsius und 35 Liter pro Sekunde weit übertroffen. Die zweite Bohrung TH2 wurde ab Mitte März 2009 abgeteuft. Sie erreichte ihr Ziel am 5. Mai 2009 bei einer Teufe von 2.578 Meter (MD) bzw. 2.124 Meter (TVD). Nach Abschluss der Fördertests und Pumpversuche an den beiden Geothermiebohrungen mit einer leistungsstärkeren Pumpe wurden für das Tiefengrundwasser eine Temperatur von 87 Grad Celsius und eine Förderrate von mindestens 75 Litern pro Sekunde ermittelt. Aufgrund der etwas besseren Ergebnisse der zweiten Bohrung wird diese in der hydrothermalen Dublette als Förderbohrung verwendet. Die erste Bohrung dient somit als Reinjektionsbohrung. Beide Bohrungen wurden vom gleichen Bohrplatz, etwa sieben Meter voneinander entfernt, abgeteuft. Mithilfe der Richtbohrtechnik konnte die erste Bohrung nach Nordwest, die zweite nach Südwest abgelenkt werden, so dass sie untertage mit ihren Endpunkten über zwei Kilometer auseinander liegen. 

Schon zu Beginn des Ausbaus des Fernwärmenetzes und noch vor dem Bohrstart im Juni 2008, wurden bereits 90 Prozent der theoretisch verkaufbaren Leistung im ersten Bauabschnitt vertraglich abgesichert. Das entsprach einer Anschlussleistung von 4,5 Megawatt. Die Unterföhringer Bürger zeigten in allen geplanten Abnehmerbereichen der geothermischen Fernwärmeversorgung großes Interesse. Mit der planmäßigen Fertigstellung der Geothermie-Heizzentrale, die 1,6 Millionen Euro kostete, konnten ab dem 3. Dezember 2009 die ersten 1.200 Wohneinheiten mit geothermischer Wärme versorgt werden. Ende 2012 wurde das Fernwärmenetz in fünf Bauabschnitten mit einer Gesamtlänge von 20 Kilometern fertiggestellt. Die Anschlussquote liegt derzeit bei 57 Prozent mit einem Anschlusswert von rund 23 Megawatt und einer Wärmeleistung von ca. 34 Gigawattstunden.      

Die Investitionskosten für das gesamte Geothermie-Projekt belaufen sich auf rund 37,5 Millionen Euro. Davon gingen ca. 12,5 Millionen Euro für alle anfallenden Bohrarbeiten. 10,5 Millionen Euro wurden in Grund, Gebäude und Technik investiert. Der Rest von 14,5 Millionen Euro floss in den Ausbau des Fernwärmenetzes. 

Aufgrund der hohen Akzeptanz des Geothermie-Projekts und der großen Nachfrage nach geothermischer Wärme treibt die GEOVOL Unterföhring GmbH derzeit eine Verdopplung der geothermischen Leistung durch eine weitere hydrothermale Dublette voran. Dieses Vorhaben ist bisher einmalig in Deutschland. Im Juni 2012 wurden 2D-seismische Messungen zur Untersuchung des Untergrundes auf der westlichen Seite des Erlaubnisfeldes durchgeführt. Im Frühjahr 2014 wurden die beiden Bohrungen von einem Bohrplatz direkt neben der bestehenden Energiezentrale erfolgreich niedergebracht. Schüttung und Temperatur der Förderbohrung haben die Erwartungen übertroffen. Baubeginn für die zweite Energiezentrale ist im Herbst 2014. Nach ihrer Fertigstellung wird die Anlage eine thermische Leistung von über 20 MW haben.

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