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Weichenstellungen für die Geothermie

4. Mai 2020

In der aktuellen energiepolitischen Debatte um das Kohleausstiegsgesetz, das Klimapaket der Bundesregierung und die Weiterentwicklung des EEG stecken Chancen für die tiefe Geothermie. Dr. André Deinhardt, Geschäftsführer des Bundesverbandes Geothermie (BVG) erläuterte am 30. April im Webinar „Blickpunkt Geothermie“, welche Stellschrauben entscheidend für die Geothermie sind und welche Forderungen der BVG in die Diskussion einbringt.

Im Petersberger Klimadialog stellte Bundeskanzlerin Angela Merkel klar, dass die Konjunkturhilfen, die der Wirtschaft aus der coronabedingten Rezession helfen sollen, deutlich mit den Klimaschutzzielen zu verknüpfen sind.

Auch Energieexpert*innen und Umweltverbände fordern dies ein: Wenn die Milliarden, die der Staat jetzt auszugeben bereit ist, in fossile Energien, Verbrennungsmotoren oder ineffiziente Technologien investiert werden, zementiert das die Menge der Kohlendioxidemissionen für Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Jetzt ist die Chance, mit einem Neustart und den entsprechenden Finanzmitteln die Weichen für eine ökologische Zukunft zu stellen. Geld, das jetzt in klimaschädliche Kanäle fließt, steht sonst für den Klimaschutz nicht mehr zur Verfügung.

Die Geothermie hat das Potenzial, klimafreundliche Energie im Strom- und Wärmesektor bereitzustellen, wie BVG-Geschäftsführer André Deinhardt bestätigte. Dennoch stammen heute nur geringe Anteile an der Strom- und Wärmeproduktion aus geothermischen Anlagen. Der BVG vertritt dabei sowohl die tiefe als auch die oberflächennahe Geothermie und bringt sich in die politische Debatte ein.

Ein neues Marktdesign ist notwendig

25 Euro sollen pro emittierter Tonne CO2 ab dem nächsten Jahr auch für Verkehr und Gebäudewärme fällig werden. So sieht es das Klimapaket der Bundesregierung vor, das im Dezember 2019 auch den Bundesrat passierte. Dieser justierte an einigen Stellen nach – unter anderem beim CO2-Preis, der zuvor bei lediglich 10 Euro pro Tonne gelegen hatte.

Bleibt es bei diesem Preis (Industrievertreter fordern schon Aufweichungen wegen der Corona-Folgen), hat dies Einfluss auf das Marktdesign. Auch wenn ein höherer Preis zielführender gewesen wäre, zeigt der EU-Emissionshandel, dass die CO2-Emissionen im Energiesektor stark gesunken sind, seit der CO2-Preis über 20 Euro gestiegen ist. Gerade im Wärmebereich punktet die Geothermie mit niedrigen Emissionen – ein hoher CO2-Preis macht sie konkurrenzfähiger zu fossilen Heizungstechnologien.

Weitere Stellschrauben

Eine Vielzahl von Gesetzen, die den Energiesektor betreffen, erwähnt die Geothermie nicht immer explizit, hat jedoch Auswirkungen. So sieht die Novelle des Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetzes (KWKG) einen Bonus für die Einspeisung erneuerbarer Wärme vor. Dies gilt indes nur für neue Wärmenetze.

Wenn beispielsweise ein gas- oder kohlebetriebenes Heizkraftwerk durch eine geothermische Anlage ersetzt wird, reduziert dies die Emissionen sämtlicher angeschlossener Haushalte auf einen Schlag. Hier muss noch nachgesteuert werden. Ebenso sollten Geothermieanlagen bei der Netzanbindung analog zu anderen KWK-Anlagen gefördert werden.

Zudem sollten die Marktanreizprogramme der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) angepasst werden. Diese fördern den Bau von Wärmenetzen und unterstützen Projektplaner bei den Bohrkosten.

Der BVG fordert eine Erweiterung der Programme in Bezug auf den Ausbau von Wärmenetzen und insbesondere bei der Bohrkostenförderung. Die Tiefenbeschränkung sei nicht adäquat und auch das Fündigkeitsrisiko sei nicht ausreichend abgesichert.

EEG-Förderung nicht absenken

Strom aus Geothermieanlagen genießt immer noch die vergleichsweise hohe Einspeisevergütung von 25,4 Cent pro Kilowattstunde. Ab dem 1.1.2021 ist eine jährliche Degression von fünf Prozent vorgesehen. Der Ausbau der Geothermie geht jedoch nicht so dynamisch vonstatten, dass Kostenvorteile durch eine Massenfertigung und eine technologische Lernkurve – wie beispielsweise bei der Photovoltaik – schon umgesetzt sind.

Zudem bremst die Corona-Pandemie den Ausbau, so dass der BVG fordert, die Degression auszusetzen. Die Einnahmen aus der Stromproduktion sind eine wichtige Starthilfe, um die hohen Investitionskosten für die Bohrungen wieder einzuspielen und so auch den Ausbau der Wärmeproduktion zu ermöglichen. Wie auch das Projekt in Kirchstockach zeigt, starten Geothermieprojekte oft mit der Stromproduktion und bauen dann sukzessive die Wärmeversorgung aus (wir berichteten).

Zudem sei es kontraproduktiv, dass für den in Geothermieanlagen benötigten Pumpenstrom die volle EEG-Umlage zu entrichten ist, selbst wenn dieser vor Ort erzeugt wird.

Geologiedaten- und Gebäudeenergiegesetz

Das Geologiedatengesetz ersetzt das alte Lagerstättengesetz. Hier ist ein umfassendes staatliches Erkundungsprogramm zwingend notwendig, um wissenschaftliche Erkenntnisse zu vertiefen und eine breite Datenbasis für die Geothermie bereitzustellen.

Das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG 2020), das verschiedene Vorschriften im Gebäudebereich, wie das Energieeinsparungsgesetz (EnEG), die Energieeinsparverordnung (EnEV) und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG), zusammenfassen und verschärfen soll, stellt einen Fortschritt gegenüber der bisherigen Gesetzgebung dar, geht jedoch nicht weit genug.

Gerade im Neubau sind 100 Prozent Erneuerbare Energien in der Wärmeversorgung machbar – auch mit Hilfe der Geothermie. Hier muss noch nachjustiert werden, ebenso bei fossilen Heizkesseln, die dringend verboten werden sollten.

Wie geht es weiter?

In ihrer Gesamtheit stellen die verschiedenen Gesetze, Förderprogramme und Richtlinien wichtige Weichen für den Klimaschutz – und auch für die Zukunft der Geothermie.

BVG-Geschäftsführer André Deinhardt warf zum Schluss seines Vortrages noch einen Blick in die Zukunft. Wichtige künftige Fragen sind die Ausgestaltung des Konjunkturbelebungspaketes sowie die Einzelheiten des europäischen Green Deals. Die Milliarden können nur ein Mal ausgegeben werden und sollten dann dem Klimaschutz und somit der Zukunft aller Menschen dienen.

Webinar auf YouTube – am 8. Mai geht es weiter

Für diejenigen, die das Webinar verpasst haben, gibt es eine Aufzeichnung auf unserem YouTube-Kanal.

Am Freitag, den 8. Mai geht es in die sechste Runde von „Blickpunkt Geothermie – mit Energie ins Wochenende“. Prof. Dr. Rolf Bracke, Leiter des Fraunhofer Instituts für Energieinfrastrukturen und Geothermie (IEG) wird über die Transformation der Wärmesysteme in Nordrhein-Westfalen sprechen.

Auf http://www.tiefegeothermie.de/webinar können Sie sich anmelden. Aufgrund der Datenschutzproblematik beim Anbieter Zoom sind wir auf die Software GoToWebinar umgestiegen. (kj)

Quelle: 

Enerchange

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