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Geothermie in der Schweiz: Dynamische Entwicklung und lokale Wertschöpfung

18. Mai 2020

Im „Blickpunkt Geothermie“ am 15. Mai berichtete Nathalie Andenmatten-Berthoud, Präsidentin des Schweizer Geothermieverbandes Geothermie-Schweiz, über die gegenwärtige Entwicklung der Geothermie bei unseren Nachbarn im Süden. Ein weiteres Thema war das Geothermieprojekt Genf, das gerade die zweite Erkundungsbohrung abteuft.

65,4 Prozent des Energieverbrauchs in Schweizer Privathaushalten entfallen auf die Raumwärme, weitere 14,4 Prozent verschlingt die Erzeugung von Warmwasser. Beide stammen immer noch zu einem großen Teil aus fossilen Quellen. Klares Ziel der Schweizer Regierung ist es, diese durch lokal erzeugte regenerative Energien zu ersetzen, um die Klimaschutzziele zu erreichen.

Diese Zahlen stellte Nathalie Andenmatten-Berthoud, Präsidentin des Schweizer Geothermieverbandes, in ihrer Präsentation im Webinar „Blickpunkt Geothermie“ am 15. Mai voran, um die Problemstellung zu umreißen. Ein Teil der Lösung ist die Versorgung mit klimafreundlicher Wärme (und auch Strom) aus Geothermie. Gerade im Bereich der oberflächennahen Geothermie ist die Schweiz mittlerweile international führend, die Akzeptanz ist sehr groß.

In der petrothermalen Geothermie hingegen wirken die seismischen Ereignisse von Basel immer noch in der Erinnerung der Öffentlichkeit nach, so dass diese deutlich kritischer gesehen wird. Die hydrothermale Geothermie war bislang ein wenig außen vor, obwohl die Anlage in Riehen seit 1994 störungsfrei in Betrieb ist und ins Wärmeverbundsystem der Gemeinde mit der benachbarten Stadt Lörrach auf deutscher Seite einspeist.

Dynamische Entwicklung durch neues Förderinstrument

In ihrer Energiestrategie 2050 hat die Schweiz 2017 ein spezielles Förderinstrument für Wärmeprojekte beschlossen. 30 Millionen Franken stehen jährlich zur Verfügung, um die Investitionskosten für die Erkundung und Erschließung von Reservoiren zu unterstützen. Bis zu 60 Prozent der anrechenbaren Kosten können durch das Programm bezuschusst werden.

Seitdem hat eine dynamische Entwicklung der Schweizer Geothermie eingesetzt, die Förderung hat einen regelrechten Boom ausgelöst. Analog dazu gibt es auch ein Förderinstrument für die Stromerzeugung aus Geothermie, das ebenfalls für bis zu 60 Prozent der Erschließungskosten aufkommt, aber aus einem anderen, größer dimensionierten Fördertopf gespeist wird. Mehr zu den Förderkonditionen finden Sie auf der Webseite der Geothermie Schweiz.

Hemmnisse für die Geothermie

Dieser erfreulichen Dynamik wirkt entgegen, dass in der Schweiz wenig Wissen über die Geologie des Untergrundes vorhanden ist. Da man im Gegensatz zu Deutschland nicht nach Öl und Gas gebohrt hat, liegen bislang wenig Erfahrungen zur geologischen Beschaffenheit vor. Auch das technische Know-how ist weniger stark entwickelt und Fachpersonal im Arbeitsmarkt kaum vorhanden.

Zudem bleibt trotz der Förderinstrumente ein Risiko von 40 Prozent der Erschließungskosten für den Investor (oft die Kommune), sollte ein Geothermieprojekt beispielsweise an mangelnder Fündigkeit scheitern. Auch die Akzeptanz in der Bevölkerung ist immer noch fragil.

Um dem entgegenzuwirken, hat Geothermie-Schweiz einen Erfahrungsaustausch Geothermie (EAG) initiiert, in dem sich die verschiedenen Akteure aus Praxis, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik systematisch und professionell austauschen. Dieses kollektive Wissen wird die Realisierung künftiger Geothermie-Projekte in der Schweiz erleichtern.

Genf: 20 Prozent Geothermie bis 2035

Im Anschluss an den generellen Überblick über die Geothermie in der Schweiz stellte Frau Andenmatten-Berthoud das Programm GEothermie 2020 des Kantons Genf gemeinsam mit den Genfer Stadtwerken (Services Industriels de Genève, SIG) vor. Ziel ist es, 2035 20 Prozent der Heizenergie im Kanton Genf geothermisch zu erzeugen und so Öl und Gas zu ersetzen (wir berichteten).

Es geht darum, sowohl die oberflächennahe als auch die tiefe Geothermie zu nutzen und dabei optimal zu verknüpfen, so dass eine jede ihre Potenziale optimal entfalten kann. Pilotprojekte und deren Begleitung spielen eine wichtige Rolle, um so aus den Praxiserfahrungen zu lernen und eine Dynamik zu entfachen. Hierzu gehört eine tiefgreifende Datenerfassung, um den Untergrund besser zu verstehen, einschließlich 3D-Seismik und Probebohrungen.

Die erste Erkundungsbohrung in Satigny im Jahr 2018 war sehr erfolgreich und förderte in einer Tiefe von 744 Metern 34 Grad Celsius warmes Wasser mit einer Fließrate von 50 Litern pro Sekunde zutage. Die zweite Bohrung im nahegelegenen Lully soll eine Tiefe von 1.300 Metern erreichen, aktuell sind bereits 1.010 Meter gebohrt.

Institutionelle Integration

Zum Schluss ihres Vortrages betonte Frau Andenmatten-Berthoud, wie wichtig es ist, die Erschließung der Geothermie auch institutionell zu integrieren. So müsse die Erkundung geothermischer Reservoire schon in der Stadtentwicklung mitgedacht werden, beispielsweise bei der Planung von Fernwärmenetzen.

Und auch die aktive Beteiligung und Unterstützung durch die Bevölkerung ist der Präsidentin von Geothermie-Schweiz ein großes Anliegen. Durch eine transparente Kommunikation will sie nicht nur Akzeptanz schaffen, sondern sogar Begeisterung wecken.

Dabei kann die Geothermie auf weitere Pluspunkte zählen: Nicht nur bietet sie eine klimafreundliche und kostengünstige Versorgung mit Wärme und Strom. Sie hilft auch, die Energie- und Klimaziele der Schweiz zu erreichen. Und nicht zuletzt fördert die Geothermie die lokale Wertschöpfung: Statt Geld für Öl- und Gasimporte ins Ausland zu transferieren, schafft sie Arbeitsplätze vor Ort.

Webinar auf YouTube – am 22. Mai geht es weiter

Für diejenigen, die nicht am Webinar teilnehmen konnten oder Details nochmals nachhören möchten, gibt es eine Aufzeichnung auf unserem YouTube-Kanal.

Nächsten Freitag, am 22. Mai wird uns Prof. Dr. Georg Dresen von der Fastloc GmbH über induzierte Seismik informieren. In seinem Vortrag, der wie immer zur gewohnten Zeit um 14 Uhr beginnt, stellt er die Frage: Können wir induzierte Erdbeben kontrollieren?

Auf http://www.tiefegeothermie.de/webinar können Sie sich anmelden. (kj)

Quelle: 

Enerchange

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