Holzkirchen

Projektgebiet:
Geothermie Holzkirchen
Status
in Betrieb
TH 1 in m (MD)
5.600 / 5.079 (TVD)
TH 2 in m (MD)
6.084 / 5.070 (TVD)
Nutzungsart
Hydrothermale Dublette
Temperatur in °C
153
Stromerzeugungsverfahren
ORC
Förderrate in L/s
60
Zielnutzhorizont
Malm
Installierte thermische Leistung in MW
24
Installierte elektrische Leistung in MW
3,6

Kontakt

Gemeindewerke Holzkirchen GmbH
Industriestraße 8
83607 Holzkirchen
Telefon: (08024) 9044-0
E-Mail: geothermie [at] gw-holzkirchen.de
 

 

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Die Geothermie-Anlage in Holzkirchen im oberbayerischen Landkreis Miesbach wurde im Dezember 2018 in Betrieb genommen und versorgt seitdem die Bürger der Marktgemeinde mit klimafreundlicher Fernwärme. Seit Juli 2019 liefert die Anlage auch elektrische Energie, indem eine integrierte ORC-Anlage aus dem heißen Thermalwasser Strom produziert.

Nach langer Vorarbeit haben sich die Holzkirchener Marktgemeinderäte in einer Sondersitzung am 30. April 2015 mit 17 gegen 8 Stimmen für das kommunale Geothermie-Projekt ausgesprochen.

Um die volle EEG-Vergütung zu erhalten, musste jedoch ein straffer Zeitplan eingehalten werden: Das Kraftwerk sollte schon bis Ende 2017 in Betrieb gehen. Diese Frist wurde jedoch mit dem neuen Einspeisegesetz bis Ende 2020 verlängert.

Schon 2006 erstellte die ERDWERK GmbH für die Gemeinde Holzkirchen eine Machbarkeitsstudie zur Nutzung der Tiefengeothermie. Die Entscheidung für das Geothermie-Projekt war eigentlich schon am 22. März 2012 gefallen. Die Kosten für das damals deutlich größer dimensionierte Projekt wurden auf rund 70 Millionen Euro kalkuliert. 

Wegen der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Frühjahr 2013, die sich bis August 2014 hinzog, mussten die damalige Projektplanung und -finanzierung neu durchdacht werden. Einerseits wurde bei der Einspeisevergütung für Strom eine Kürzung befürchtet. Andererseits hatte sich während der Phase des Stillstands der Versicherer, mit dem die Gemeindewerke Holzkirchen für eine Fündigkeitsversicherung in Verhandlung waren, aus dem Markt zurückgezogen.

Der Geothermie-Claim Holzkirchen umfasst insgesamt rund 126 Quadratkilometer. Die 3D-seismischen Untersuchungen fanden auf einer Fläche von rund 65 Quadratkilometern in und um die Marktgemeinde Holzkirchen statt. Nach Abschluss der Detailplanung und der EU-weiten Ausschreibung konnte im Herbst 2015 mit dem Bau des Bohrplatzes begonnen werden.

Die im Januar 2016 gestarteten Bohrarbeiten der Bohrung Th1 verliefen zunächst sehr gut, wurden jedoch im März 2016 durch einen unerwarteten Gaszutritt im Rupel-Bändermergel in rund 4.200 Metern zum Erliegen gebracht. Ein Sidetrack (Th1a) war notwendig, der bis Mitte Mai 2016 erfolgreich bis auf die Endteufe von 5.600 Metern abgeteuft werden konnte. Die im Juni 2016 durchgeführten Pumpversuche erbrachten letztlich den Nachweis zur Fündigkeit der Bohrung.

Auch bei der zweiten Bohrung traten Probleme ein, diesmal aufgrund von sich verhakenden Casings, was den Zeitplan um mehrere Monate nach hinten warf. Anfang März 2017 traten bei einer Endteufe von 6.084 Metern (MD) große Spülungsverluste auf. Die darauf folgenden Kurzzeitpumpversuche ergaben eine Thermalwassertemperatur von mehr als 150 Grad Celsius. Die ersten Messungen zur Förder- und Injektionsrate ergaben eine Schüttung von rund 50 Litern pro Sekunde.

Im Dezember 2018 wurde zunächst die Heizzentrale in Betrieb genommen. Sie versorgt seitdem die Gemeinde Holzkirchen mit Fernwärme. Das Fernwärmenetz umfasst mehr als 25 Kilometer. Die zusätzlich an das System gekoppelte Stromproduktion findet seit Juli 2019 mithilfe der vom italienischen Kraftwerkshersteller Turboden errichteten ORC-Anlage statt.

Eine große Herausforderung für die Holzkirchener Geothermie-Anlage ist der hohe Pumpenverschleiß. Neun Ausfälle wegen defekter Pumpen gab es zwischen 2018 und 2025. Die von zwei bayerischen Landtagsabgeordneten angesichts der Holzkirchener Misere beantragten Forschungsgelder für ein Forschungsprojekt über moderne, widerstandsfähigere Pumpsysteme für die hydrothermale Tiefengeothermie wurden im Juni 2024 vom Bayerischen Landtag abgelehnt.

Anzahl der Bohrungen
2